Ignorieren zwecklos

Ein Lieblingssatz von Volker Kauder lautet, „die Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit“. Der hilft im Fall der AfD nicht wirklich. Denn man weiß nicht so genau, wer die AfD ist. Momentan ist sie eine Art Sammlungsbewegung, offen für alle, die unzufrieden sind. Man darf nicht den Fehler machen, die AfD mit NPD und Republikanern zu vergleichen. Die AfD ist nationalistisch, euro-kritisch und ausgesprochen rabiat. Aber sie ist auch: Fleisch vom Fleische der CDU.

Es klingt plausibel, wenn die NRW-CDU keine Empfehlung für die Kreis- und Stadträte abgeben will, weil die AfD dort nicht über den Status einer „Splitterpartei“ hinauskomme. Man muss die Argumentation umdrehen und fragen: Was ist, wenn sie keine Splitterpartei mehr ist? Dann wird sich die CDU arrangieren. Sie stünde vor einem Dilemma wie die SPD mit den Linken. Die Frage ist nur, ob es so weit kommt, ob also die AfD je eine kritische Größe erreichen wird.

Die Union ist jedenfalls am ehesten gefordert und geeignet, eine Partei rechts von ihr klein zu halten. Das wird ihr misslingen, wenn sie wie Angela Merkel die AfD ignoriert, ihr aus dem Weg geht wie Volker Kauder auf Talk-Shows oder ihren Sound nachmacht wie die CSU mit der Kampagne gegen die angeblich massenhafte Armutseinwanderung. Es bleibt nichts anderes übrig, als die AfD zu widerlegen. Das scheuen viele. Sie sagen sich, „wer weiß, wozu die noch gut sein können“. Geht es der CDU um Werte? Oder geht es um den Nutzwert der AfD?