Talentscouts

Höchstens eine von vielen Maßnahmen

Ein Kommentar von Nina Grunsky

In den Elfenbeinturm kommen sie nicht hinein: Nur 23 Prozent der Kinder aus Arbeiterhaushalten besuchen eine Hochschule. Nun sollen Talentscouts Jugendlichen aus Nichtakademiker- und Zuwandererfamilien den Weg an die Universitäten weisen. 6,4 Millionen Euro gibt das Land für diese Arbeit, die eigentlich zu den Aufgaben der Lehrer gehören sollte, oder? Sie kennen ihre Schüler und deren Familien besser als ein Scout von der Universität. Sie wissen, wo Talente schlummern, wie sie im Alltag gefördert werden können. Und zwar nicht nur die Lehrer im Ruhrgebiet, sondern landesweit. Vorbereitet allerdings werden sie in ihrer Ausbildung darauf kaum. Und Zeit lässt ihnen zum Beispiel das straffe G8-Programm ebenfalls nicht dafür. Vielleicht wäre es sinnvoller, erst hier nachzubessern.

Und dann an den Universitäten selbst. Denn es kann nicht damit getan sein, die jungen Leute in den Schulen gut zu beraten, sie dann aber mit einem so knappen Bafög-Satz allein zu lassen, dass nebenbei arbeiten muss, wer nicht aus einem gut verdienenden (Akademiker-)Elternhaus kommt. Es kann nicht damit getan sein, junge Leute an die Universitäten zu holen und dann so schlecht zu betreuen, dass diejenigen verzweifelt hinwerfen, die nicht aus den Studenten-Erfahrungen der Väter und Mütter schöpfen können. Es kann nicht damit getan sein, ihnen einen schnelles Bachelor-Studium zu versprechen, in dem so wenig Zeit für die Praxis bleibt, dass der Einstieg in den Arbeitsmarkt mehr als schwierig wird. Talentscouting kann also höchstens eine von vielen weiteren Maßnahmen sein.

Im Übrigen würde es zur Gerechtigkeit gegenüber Industrie und Handwerk gehören, Talentscouts zu bezahlen, die begabte Akademikerkinder in die Lehre locken.

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