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Jahresausblick

Herzlichen Glückwunsch, Kanzler Steinbrück!

27.12.2012 | 15:21 Uhr
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Herzlichen Glückwunsch, Kanzler Steinbrück!
Die SPD hatte die Wahl gewonnen, Steinbrück konnte nach Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder der vierte sozialdemokratische Bundeskanzler werden.Foto: rtr

Essen.  Peer Steinbrück ist Bundeskanzler, das Volk wählt Angela Merkel ab. Die FDP fliegt hochkantig aus dem Bundestag, weil die Wähler ihr ein weiteres Geschenk an Apotheker und Anwälte übelnehmen. Der Jahresausblick von WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz.

An diesem herbstlich milden Sonntag, dem 22. September 2013, klingelte um kurz nach vier Uhr nachmittags das Telefon von Peer Steinbrück. Am anderen Ende der Leitung: Gerhard Schröder. „Glückwunsch, Kanzler“, sagte Schröder nur. Was das Wahlvolk noch nicht wusste, wussten die Spitzenpolitiker aller Parteien seit vier Uhr, seitdem sie die Wählerbefragungen der großen Meinungsforschungsinstitute vorliegen hatten. Die SPD hatte die Wahl gewonnen, Steinbrück konnte nach Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder der vierte sozialdemokratische Bundeskanzler werden.

Wie hatte es zu dieser Überraschung, die noch am Beginn des Jahres 2013 niemand auf der Rechnung hatte, kommen können? Alles begann mit dem Ende der Euro-Krise, der den Ruf der Kanzlerin als Hüterin deutscher Geldbörsen begründet hatte. Die Italiener hatten Berlusconi nicht gewählt, die Südländer waren im Frühjahr wieder auf die Beine gekommen, die Konjunktur in Europa begann anzuspringen und in Spanien ging die Jugendarbeitslosigkeit zurück. Optimismus breitete sich auf dem gesamten Kontinent aus. Und plötzlich wurde eine Krisenkanzlerin nicht mehr gebraucht.

Union ließ sich von Umfragen blenden

Das wiederum hatte die Union viel zu spät begriffen. Zu lange hatten sich die Christdemokraten von den Umfragen blenden lassen, die ihnen einen ungefährdeten Wahlsieg vorhergesagt hatten an der Seite der Liberalen. Dass die Deutschen der FDP eine mindestens vierjährige parlamentarische Auszeit bescheren würden, war nach dem Wechsel im Parteivorsitz vom glücklosen Rösler zum fröhlichen Brüderle lange ausgeschlossen worden. Aber der Beschluss des FDP-Präsidiums kurz vor der Wahl, Apotheker und Anwälte wegen deren „Systemrelevanz“ von der Einkommensteuer auszunehmen, hatte am Ende noch die letzten Freunde der Liberalen verprellt.

Den Grünen wiederum war die Illusion gelungen, sich als die eigentlich liberale Kraft darzustellen: 15 Prozent. Jürgen Trittin zögerte an diesem Wahlsonntag auch nur bis 18 Uhr, ob er nicht lieber eine Koalition seiner Grünen mit der geschwächten schwarzen Kanzlerin vorziehen sollte. Dann rief er bei Steinbrück an. „Wir beide regieren Deutschland, Herr Steinbrück. Sie können mich Jürgen nennen.“

Ulrich Reitz

Kommentare
29.12.2012
00:39
Dann will ich diesen schönen Beitrag von Herrn Reitz einmal weiterspinnen. - II
von TreuerLeser | #34

Die Krone der Schöpfung ist aber die Vermögensteuergesetzgebung.

Ostern 2014 brüten 80 Millionen Deutsche über den von ihnen einzureichenden Vermögensaufstellungen. Sie verstehen gar nicht, warum - es sollte doch nur die Steuer für die Familien Albrecht und Quandt/Klatten sein!

Hinzu kommt ein Gesetz, demzufolge künftig auch Regierungsmitglieder bezahlte Vorträge halten dürfen.

Da nahen im Herbst 2014 die ersten Landtagswahlen!

Und weiter? Den Ablauf kennen wir schon aus der Ära Schröder. Da begann der Abstieg 1999 und war 2005 perfekt.


P. S. Herr Reitz ist übrigens Regierungssprecher geworden. „Porte parole“ nennt man dies in Frankreich.

Nicht zu vergessen: Alle Pferde in Deutschland werden zur „Kavallerie“ einberufen.



Was ich im Ernst nicht ausschließe, ist, dass auch bei knappster eigener Mehrheit SPD und Grüne, ggfs. unter Tolerierung durch LINKE und Piraten, eine Regierung bilden. Auch hier läuft dann der Rest m. E. aber ab wie oben unter "1999 bis 2005" beschrieben.

29.12.2012
00:31
Dann will ich diesen schönen Beitrag von Herrn Reitz einmal weiterspinnen. - I
von TreuerLeser | #33

Jürgen und Peer bilden zügig eine Regierung. Im rot-grünen Überschwang schaffen es beide Parteien auch in Hessen und Bayern, die Regierungen stellen zu können.

Nun haben sie freie Bahn in Bundestag und Bundesrat. Ähnlich wie der z. Zt. „hochpopuläre“ Francois Hollande in Frankreich!

Lediglich einige SPD-Politiker murren noch, weil sie sich angesichts der vielen Überhangmandate für die SPD darüber ärgern, dass ihre Partei seinerzeit vor dem BVerfG klagte und der Opposition das geänderte Wahlrecht Ausgleichsmandate beschert hat.

Aber „nun geht´s los“. Als erstes werden Renteneintrittsalter gekippt, Mindestlohn- und -rente eingeführt, Pflege-, Eltern-, Großeltern-, Onkel- und Tantenteilzeit eingeführt. Finanzierung: offen! Oder eben durch Beitrags- und/oder Steuerzahler.

Angesichts der vielen Gesetzesvorhaben werden bei Freshfields die Anwälte knapp.

29.12.2012
00:29
Herzlichen Glückwunsch, Kanzler Steinbrück!
von gatagorda | #32

Ich finde der Artikel passt zum heutigen Tag. In allen Spanisch sprechenden Laendern feiert man heute den Día de los Santos Innocentes", da wird dann so was aehnliches gemacht, wie in Deutschland am 1. April.
Ich hoffe nur Herr Reitz, der Blick in die Kristallkugel hat nicht getaeuscht.
Saludos desde Lerma, Campeche

28.12.2012
18:53
Was reitet einen Mann....
von hagenersozius | #31

sowas zu schreiben? Ist er geritten durch Nacht und Wind und beides war nicht zuträglich? Hat der Autor auch mal überlegt, dass er eine Verantwortung hat und dass solche Artikel Zeitungen in Verruf bringen? Warum beschränkt man sich nicht auf sachliche Berichterstattung? Und wenn es ein Joke sein soll, dann doch bitte als Glosse kennzeichnen!

28.12.2012
18:01
(Ver)sage niemals nie!
von wohlzufrieden | #30

Warum den Versager Peer wählen? Wer auf Versager steht, kann doch direkt dem Originalversager Angela seine Stimme geben.

1 Antwort
00-Oskar hat die Lizenz zum T...
von klabautermann77 | #30-1

Sind Ihrer Meinung nach nicht die LINKEN die vermeintlichen nächsten Kanzlermacher? Wird Oskar mit Peer gemeinsam auf die klugen Wähler anstoßen?

Nicht, dass Ihnen schlecht wird bei dem Gedanken. ;-)))))

28.12.2012
13:52
Herzlichen Glückwunsch, Kanzler Steinbrück!
von steckritzel | #29

Drei Wahrheiten, die der Leser zusammen betrachten muss:

- Die SPD steht als Partei für die soziale Gerechtigkeit !
- Herr Steinbrück wird Kanzler !
- Auf dem Mond leben Menschen, weil dort jeden Abend das Licht Brennt !


28.12.2012
13:20
Herzlichen Glückwunsch, Kanzler Steinbrück!
von kuba4711 | #28

HIHI,ein gekonnter, neoliberaler Reitz kann man dazu sagen.
Man weiss zunächst mal gar nicht wo man- ob der Zumutungen - beginnen soll!
Vielleicht damit ,dass der neoliberale Ulrich schon wieder runde 10 Prozent der deutschen Wähler mit Nichtachtung bestraft?
Und dann auch noch die letzte ,verbliebene politische Opposition ,also die Linke?
Und dann das Parade - Stück von Herrn Reitz den Kandidaten Peer auch noch als wählbare Alternative zu Krisenkanzlerin Madame Merkel auszuloben.
Ich lach mich quasi krank.
Der Peer hat doch schon zu Beginn der Finanzkrise in 2008 - zusammen mit Madame Kanzler der Krise Merkel , die deutschen Steuerzahler zu Gunsten der Finanzwirtschaft gelinkt.
Warum sollen denn die Wähler so einen ausgelutschten Polit- Clown nochmal wählen ,zumal als Kanzler?
Und dann das Schäfste überhaupt!
So zu tun als ob die bisherige Politik der Kanzlerin ÜBERHAUPT GEEIGNET WÄRE die Finanzkrise ZU LÖSEN1
Dies ist weder in 2013 noch überhaupt so möglich.

4 Antworten
Herzlichen Glückwunsch, Kuba4711
von cui.bono | #28-1

Zumindest ein bisschen bin ich Ihrer Meinung. Sie haben Unrecht!! Herr Reitz ist keinesfalls neoliberal, Herr Reitz ist absoluter SPD-Fan und steht der FDP ausgesprochen negativ gegenüber.

Aber in einem haben Sie natürlich Recht! Ich zitiere "Warum sollen denn die Wähler so einen ausgelutschten Polit- Clown nochmal wählen ,zumal als Kanzler?"

Richtig. Da kann man doch liber eine erfolgeiche Partei mit einer äusserst beliebten Kanzlerin wählen!!!!!1 :-)

#28-1 cui.bono
von taosnm | #28-2

Wenn Sie jetzt noch bitteschön erklären, wo die CDU erfolgreich war. Ich lerne gern dazu. Die Beliebtheit der Madonna aus der Uckermark lässt sich nicht leugnen, doch ich würde gern jemanden treffen, der mir erklärt, warum das so ist. Im hohen Alter verstehe ich nun die Welt nicht mehr.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ich der SPD oder den Grünen zugeneigt wäre. Für mich gibt es nur ein Kreuz bei der nächsten Wahl, nämlich das quer über den Wahlschein. Die Parallelgesellschaft Politik hat sich aus dem Leben der Bürger so weit entfernt, dass sie im Grunde genommen aus dem Land gejagt gehören. Leider ist das nicht möglich.

Herzlichen Glückwunsch, Kanzler Steinbrück!
von kuba4711 | #28-3

@ taosnn.
Wie Sie schreiben ,sind Sie schon in einem hohen Alter.
Somit waren Sie ja Zeitzeuge ,dass es durchaus möglich ist eine Blockpartei -denken Sie bitte an die SED und ihre Blockflöten in der ehemaligen Volkskammer - davon zu jagen.
Man muss nur aufpassen -wie leider geschehen - ,dass die politisch infizierten Funktionsträger in anderen Parteien unterschlüpfen und dort die Politik maßgeblich mitgestalten.
Das Negativ - Bsp. ist ja da die Madame Kanzler Merkel.
Und auch in unseren Tagen -sie sprechen von einer politischen Parallelwelt - haben die maßgeblichen sog. Volksparteien CDU/SPD ,zusammen mit ihren jeweiligen Mehrheitsbeschaffern , faktisch eine Blockpartei gegen die Mehrheit der Bevölkerung gebildet.
Also weg mit denen.
Dies ist sehr wohl möglich.
Als ehemaliger SPD`ler kann ich Ihnen da die einzige ,verbliebene Opposition ,also die Linke , empfehlen.
Glück auf.
Nichtwahl zementiert die alte Polit- Nomenklatura .
Ich bin ebenfalls ü.50.
Aber die müssen weg!

Herzlichen Glückwunsch,cui bono
von kuba4711 | #28-4

@ cui bono.
In ihren Ansätzen sind Sie mindestens so geschickt ,wie Herr Reitz seinen Chefredakteurs - Posten verteidigt.
Herr Reitz mag zwar im Sinne bestimmter Kreise in der SPD schreiben .
Dies schließt doch aber nicht aus ,dass er neoliberal ist.
Denn die Irrlehre unserer Zeit -also der Neoliberalismus- der hat weite Teile der sog. Reste - SPD überwuchert und das Sozialdemokratische annähernd vollkommen erstickt.
Und Herr Reitz verteidigt deshalb sehr geschickt - im Marx`schen Sinne bestimmt ja das pekuniäre Sein das Bewußtsein - seinen Sessel und seine Ideologie.
Denn der liebe und erfolglose Peer ist doch kein personeller Gegenentwurf zu der neoliberalen Kanzlerin Merkel!
Er ist der ergänzende Fall der Fälle.
Wenn nämlich der sog. Bürger per Zufall den Peer doch mit einer rosa/grünen Mehrheit ausstatten sollte.
Cui bono?
Wem würde dies nutzen?
Natürlich der deregulierten Finanzwirtschaft,die diesen Kandidaten über die Chefredaktion der Welt ausgelobt hat.

28.12.2012
10:51
Herzlichen Glückwunsch, Kanzler Steinbrück!
von hansrainerg | #27

Das ist unser grösstes Problem,ob Politik oder Sport,die Kandidaten sind immer
schon Sieger ohne Vorleistung,und nachher kommt das grosse Heulen.Zum Fall
Steinbrück,der sollte sich freuen wen er es nicht wird,dan verdient er mehr und
ist nicht immer in der Schusslinie. MfG H-R G.

28.12.2012
10:46
Himmel, das ist Satire!
von BauerKleppe | #26

Herr Reitz ist kein Augur, er wird wohl keine Fische von Verleihnix aufgeschippelt haben und auch nicht auf die Schwalben vor seinem Fenster geschaut.

Das Wahl- Vieh ist kurzsichtig, und manchmal auch ein bisschen dämlich.
Denkbar ist daher vieles, auch die Vison von Ulrich Reitz. Wenn mal nicht die WAZ die begonnene Hetzjagd auf Steinbrück zu weit treibt.

28.12.2012
10:44
Erinnerung
von klabautermann77 | #25

Herr Steinbrück,

Artikel ausschneiden, rahmen, an die Wand hängen -

und in einem Jahr wehmütig mit einem Glas Wein davor in Erinnerung schwelgen:
"Wäre das doch schön gewesen." ;-)

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2012-12-27 15:21
Peer Steinbrück
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