Halbstarke und Oberlehrer

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Joachim Poß kommt aus Gelsenkirchen und kennt sich schon deshalb mit der Verschuldung öffentlicher Haushalte bestens aus. Die Stadt steht aktuell mit rund 1,2 Milliarden Euro in der Kreide.

Vielleicht ist das mit ein Grund, warum sich der Sozialdemokrat jetzt in Sachen Griechenland-Krise zu Wort meldet – und zwar auf bemerkenswerte Weise. Der Athener Premier Tsipras, so schreibt Poß in einer Mitteilung, solle bitteschön seinen Finanzminister Varoufakis „durch eine politisch erfahrene, realitätstüchtige Person ersetzen“. Dies sei schließlich „im Interesse des griechischen Volkes“. Findet Poß.

Nun darf man sich über den halbstarken Polit-Krawallo Varoufakis aufregen, wenn man das will. Aber oberlehrerhafte Ratschläge an die gewählte Regierung eines Partnerlandes sind nicht eben geeignet, die ohnehin schwierige Verständigung in der brisanten Schuldenfrage voranzubringen. Nicht schwer sich auszumalen, wie Poß’ Wortmeldung bei den Griechen ankommen dürfte.

Athen und die anderen Euroländer bemühen sich gerade um eine Annäherung. Varoufakis mit seinen abwegigen Vergleichen ist dabei nicht gerade hilfreich. Aber auch Poß hätte besser geschwiegen.