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Gute Seiten, schlechte Seiten

12.03.2013 | 18:22 Uhr
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Gedruckte Bücher sind immer noch der größte Umsatzbringer. Aber eBooks sind auf dem Vormarsch.Foto: Jan Woitas/dpa

In den Buchhandlungen gehen die Umsätze zurück. Nicht nur die kleinen, inhabergeführten Läden haben zu kämpfen. Die Verlage befinden sich in einem Umbruch, der ihr Selbstverständnis trifft.

Preisverleihungen, Verlagspartys, Empfänge. Über 3000 Autoren lesen in der ganzen Stadt aus ihren Werken. Was für eine große, schöne Party ist diese Leipziger Buchmesse, ein Frühlingsfest der Literatur!

Hinter den Kulissen allerdings dräut’s. In den Buchhandlungen gehen die Umsätze zurück. Nicht nur die kleinen, inhabergeführten Läden haben zu kämpfen. Selbst große Filialen der Buchhandelsketten müssen schließen. Leser bestellen ihre Bücher im Internet – oder lesen gleich elektronisch. Zwar machten 2012 E-Books nur 3,5 Prozent des Gesamtumsatzes aus, doch steigen die Zahlen rasant. 1,6 Millionen Deutsche besaßen 2012 ein elektronisches Lesegerät – viermal so viele als noch im Vorjahr.

Auch die Verlage befinden sich in einem Umbruch, der ihr Selbstverständnis trifft. Denn Schriftsteller sein, das funktioniert heute prima ohne sie: Erstmals wurde in Leipzig ein Preis für die „Selfpublisher“ verliehen, die ihre Werke selbst im Internet vermarkten. Die Preisträgerin hat 70.000 E-Books verkauft: für je 2,99 Euro, beim Online-Giganten Amazon. Auch die „Shades of Grey“-Trilogie, die im vergangenen Jahr die Bestsellerlisten stürmte, hatte zunächst als E-Book-Serie Fans gefunden.

In den USA lockt Amazon die Autoren inzwischen mit komplettem Verlagsservice auch fürs gedruckte Buch – und Gewinnbeteiligungen, die höher sind als das, was die Verlage ihren Autoren bisher anboten. Noch in diesem Jahr will Amazon seine Verlags-Aktivitäten auf Europa ausweiten.

Auf den ersten Blick dürfen sich die Leser über die neue Vielfalt, die günstigen Preise freuen. Und die Autoren über die höheren Gewinne. Auf den zweiten Blick aber ist ein Geschäftsmodell bedroht, das jahrhundertelang literarische Experimente überhaupt erst möglich machte: Denn mit den Bestseller-Einnahmen haben die Verlage traditionell die feine Literatur in kleiner Auflage subventioniert.

Und so mischt sich in die Freude, ein E-Book für nur 2,99 Euro kaufen zu können, eine leise Sorge: dass der moderne Goethe, der Kafka von heute in dieser schönen neuen Welt bald keinen Platz mehr findet.

Britta Heidemann

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