Seelische Störungen bei Kindern

Gut gemeint, aber nicht immer gut

Ein Kommentar von Nina Grunsky

Gut gemeint ist bekanntlich manchmal das Gegenteil von gut. Und die Gesellschaft meint es zweifelsohne eigentlich gut mit den Kindern. Das Beste soll aus ihnen werden, hervorragende Schulabschlüsse sollen sie bekommen, dazu noch Ausbildungen oder Diplome, die sie ein Leben lang durch die Globalisierung tragen. Deshalb fehlt es auch nicht an gut gemeinten Ratschlägen für Eltern, wie sie ihren Kindern den perfekten Start ins Leben ermöglichen: von der richtigen Ernährung schon im Mutterleib über die muskalische Früherziehung, Sportförderung bis zur korrekten Gesundheitsvorsorge. Neben all den beruflichen und wirtschaftlichen Herausforderungen, denen sich Eltern stellen müssen, fühlen sie sich unter Perfektionsdruck. Und der kommt zwangsläufig bei den Kindern an.

Mithin nimmt es also nicht Wunder, dass Ess- und Angststörungen sowie Depressionen bei Kindern keine Seltenheit sind. Auch nicht, dass die Zahl der Verschreibungen von Medikamenten wie Ritalin in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat – und vermutlich nicht deutlich sinken wird. Denn wer das Beste erreichen soll, muss in der Schule, vielleicht auch im Ganztagsunterricht, mitkommen können, selbst wenn er mit der Diagnose ADHS lebt.

Und die Herausforderungen werden gewiss nicht geringer. Inklusion zum Beispiel ist zweifelsohne ein Menschenrecht. Wenn die Landesregierung allerdings dieses Ziel so zügig umsetzt, dass sich Lehrer, Eltern und Kinder schlecht darauf vorbereitet fühlen, zudem die mangelnde Ausstattung beklagen, dann darf sich die Gesundheitsministerin vielleicht künftig nicht darüber wundern, dass nicht weniger Psychopharmaka verordnet werden. Auch die Politik meint es eben oft gut.