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Glück gibt’s nicht zu kaufen

30.12.2012 | 17:58 Uhr
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Glück gibt’s nicht zu kaufen
Alles Gute fürs neue Jahr wünscht die Westfälische Rundschau ihren Lesern!

Dortmund.  Nicht alle Menschen verstehen dasselbe unter "Glück". Malte Hinz, Chefredakteur der Westfälsichen Rundschau, wünscht allen Lesern deshalb zum Glück auch noch ganz präzise: Gesundheit, viel Tatendrang - und weiter die Nähe zur WR.

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Liebsten zunächst einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ein Jahr mit stabiler Gesundheit, viel Tatendrang und einer weiterhin starken Verbundenheit mit Ihrer Westfälischen Rundschau. Und ich wünsche Ihnen viel Glück in 2013, obwohl ich natürlich weiß, dass die Menschen unter dem Begriff Glück längst nicht immer dasselbe verstehen.

Für manche ist Glück das Synonym für persönlichen Erfolg, für Geld, für das seit ewigen Zeiten ersehnte Sport-Coupé, fürs eigene Haus, Pferd, Boot. Für andere bedeutet es eher Liebe, Leidenschaft, die strahlenden Augen eines glücklichen Kindes, zuverlässige Freundschaft. Für wiederum andere ist Glück vor allem der unbefristete Job mit einem Hartz IV abwehrenden Einkommen, ein qualifizierter Schulabschluss für die Kinder, eine funktionierende Familie, die Absicherung der in die Jahre gekommenen Eltern vor Altersarmut.

Es gibt jedoch auch solche, für die es ein großes Glück ist, wenn sie den nächsten Tag unbeschadet überstehen – in Palästina, natürlich auch in Israel, in Syrien, Irak, Afghanistan, ja überall dort, wo Krieg, Gewalt und Unterdrückung herrschen. Schließlich ist es ein Glück für immer mehr Menschen, wenn sie morgen nicht verlieren, was sie sich mit viel Mühe und Arbeit aufgebaut haben und was nun durch Missmanagement, Korruption, entfesselte Finanzjongleure und eine die Binnenmärkte zerstörende Sparpolitik bedroht wird.

Für manch abgeklärte Polit-Realos ist Glück auch noch etwas anderes, und zwar zum Beispiel dies: Einen Bundespräsidenten wie Gauck zu haben, oder die Tatsache, dass dieses Land im September eine neue Bundesregierung ohne FDP bekommt, der Atomausstieg beschlossene Sache bleibt, es der NPD an den Kragen geht, das Abitur nach acht Jahren wieder abgeschafft, der Rentenklau zurückgenommen, mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich ernst gemacht wird – dazu Spanien, Portugal und Italien nicht pleite gehen und die „Krise“ einmal mehr an Deutschland vorbei rauscht.

Wenn man so will, dann ist all dies – und sicher noch viel, viel mehr – Glück. Bloß haben zahllose Menschen längst nicht das Glück, dieses Glück zu haben. Stellt sich also die Frage: Wo kriegen sie und Sie es her, dieses Glück? Kann man es kaufen dieses Glück, wie man in dieser Gesellschaft beinahe alles kaufen kann – Hummer mit vergoldeten Scheren etwa, Koks für den ausschweifenden Abend, Waisen aus Russland, Kinder und deren Mütter auf dem Straßenstrich?

Schon klar, so hart muss man es vielleicht nicht formulieren. Klar ist aber: Das Glück, das wir uns auf der Schwelle zum Jahr 2013 jeweils wünschen, kommt nicht automatisch. Dafür muss etwas getan werden. Dafür müssen sich Einzelne, dafür muss sich eine Gesellschaft einsetzen. Dafür muss sie – besagte Gesellschaft – sich auf Werte festlegen. Notfalls festlegen lassen. Auf moralische und ethische Werte. Werte, die dafür stehen, auch und gerade im eigenen Land das Auseinanderdriften in Arme und Reiche, in Arbeitsplatzbesitzer und –verlierer, in Gebildete und Nichtqualifizierte zu stoppen. Werte die stark und mutig machen gegen Gewalt, Ausländerfeindlichkeit, Ausgrenzung und breitschultrig für Solidarität und Nächstenliebe stehen. Eine Gesellschaft somit, die sich – wie Bundespräsident Gauck es sagte – durch „offene Herzen“ auszeichnet.

Solches Glück wünsche ich Ihnen und uns allen.

Malte Hinz

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