Geschäft mit der Scham

Zuerst ist der Fahrer noch nett und reißt Witzchen. Später fährt er auf einen Parkplatz, schließt die Tür des Busses und verkündet: Hier kommt keiner mehr raus, bevor Ihr nicht gekauft habt. Bügeleisen, Heizdecken, der ganze Quatsch, der auf Kaffeefahrten im Angebot ist. Nicht selten werden die Teilnehmer auch im angesteuerten Gasthof eingeschlossen. Meist handelt es sich um Senioren. Die wollen keine Spielverderber sein. Oder sie kaufen aus Angst. Und schämen sich dann zu sehr, um zur Polizei zu gehen. Der neue Gesetzentwurf, der unseriöse Veranstalter bekämpfen soll, ist überfällig. Denn praktisch alle Kaffeefahrten sind unlauter. Angesichts dessen, was den Opfern dabei angetan wird, gehen die geplanten Vertriebsverbote und erhöhten Bußgelder noch gar nicht weit genug.

Aber, so könnte man einwenden, die Senioren brauchen ja gar nicht auf Kaffeefahrt zu gehen. Doch die Veranstalter sind echte Profis. Sie wissen, wie sie ältere Menschen mit falschen Versprechungen in die Falle locken. Und sie wissen genau, dass diese Verbrauchergruppe dazu erzogen ist, Demütigungen schweigend zu schlucken. An Kaffeefahrten verdienen viele. Auch Gastwirte. Diese sollten ebenfalls mit Bußgeldern belegt werden, wenn sie wie bisher ohne Widerspruch zulassen, dass Senioren in ihren Räumen eingeschlossen und genötigt werden.

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