Streit um Straßennamen

Gegen arrogante Geschichtspolitik

Essener Bürger stellten eine Initiative zum Erhalt der Namen ihrer Straßen auf die Beine und hatten Erfolg.
Essener Bürger stellten eine Initiative zum Erhalt der Namen ihrer Straßen auf die Beine und hatten Erfolg.
Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool

Essen.. Ein Essener Stadtteilparlament wollte zwei Straßen umbenennen, weil SPD, Linken und Grünen auffiel, dass die namensgebenden Generäle zur Demokratie ein sehr zwiespältiges Verhältnis hatten. Das war – leider – im Kaiserreich und auch in der Weimarer Republik nicht gerade selten. Von der Umbenennung betroffene Bürger erzwangen dennoch einen Bürgerentscheid. Ihnen ging es weniger um die Ehrenrettung von Generälen, sondern um den Erhalt vertrauter Straßennamen. Sie wandten sich aber auch gegen eine arrogante Geschichtspädagogik, die sauber in Gut und Böse trennen will und die Komplexität historischer Zusammenhänge mit einem Überschuss allzu schlichter Moral zu vereinfachen versucht.

Die Bürger in Essen haben mit respektabler Wahlbeteiligung und klarer Mehrheit für eine gewisse Versöhnung mit der deutschen Geschichte votiert. Politische Verbrecher egal welcher Couleur gilt es selbstredend weiter zu ächten. Ansonsten aber kennen das Leben und die Politik viele Grautöne – und zwar auch schon damals.