Gefahr unterschätzt

Freitagsgebet in der JVA Gelsenkirchen: Mit seelsorgerischen Angeboten will man eine Radikalisierung der Insassen vermeiden.
Freitagsgebet in der JVA Gelsenkirchen: Mit seelsorgerischen Angeboten will man eine Radikalisierung der Insassen vermeiden.
Foto: Volker Hartmann

Die radikalen Islamisten haben sich einen ungewöhnlichen Ort ausgesucht, um neue Mitglieder zu werben: deutsche Gefängnisse. Doch die Justizvollzugbeamten können nicht einschätzen, ob ein Kleinkrimineller zum Salafisten wird. Dafür fehlt es ihnen an sprachlicher Kompetenz ebenso wie an Islam-Kenntnissen.

Dafür, dass Muslime in Gefängnissen radikalisiert werden können, gibt es Beispiele. Die Attentäter von Paris wurden hinter Gittern radikal. Die jungen deutschen Männer, die nach Syrien in den Krieg gezogen sind und als Rückkehrer wahrscheinlich in einer Zelle landen werden, gehören – als potenzielle Anwerber – isoliert. Sie dürfen nicht die Chance haben, die Herzen jener Muslime zu vergiften, die anfällig sind für Propaganda.

Das Land muss die Gefahr ernst nehmen. Es sollte muslimischen Gefangenen jene Orientierung geben, die sie außerhalb der Anstaltsmauern nie hatten. Dazu gehört neben der Aufklärung über den Koran auch eine gewissenhafte Seelsorge durch staatlich ausgebildete und bezahlte Imame. Auf diesem Wege wäre auch eine Radikalisierung durch Imame ausgeschlossen.