Gar nicht super, Mario

Bislang hat EZB-Präsident Mario Draghi einen sehr guten Job gemacht. Vor allem seine drei magischen Worte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Mitte 2012 („whatever it takes“), also alles Notwendige zu tun, um den Euro zu retten, haben die Europäer vor einem tiefen Absturz ihrer Wirtschaft bewahrt. Auch die notorisch kritischen Deutschen dürfen dem Römer dafür dankbar sein.

Gestern aber hat Draghi die geldpolitische Lockerung einen gefährlichen Schritt zu weit getrieben. Mag sein, dass der mehr als eine Billion schwere Ankauf von privaten Papieren und Staatsanleihen eine etwaige Deflation verhindert und den Regierungen noch mehr Zeit für Reformen erkauft. Doch die erhoffte Belebung der Inflation und der Konjunktur entspringt Draghis Wunschdenken. Kein Unternehmen wird mehr investieren, nur weil Super-Mario die Geldschleusen sperrangelweit öffnet. Wohin das viele billige Geld fließt, sieht jeder: in Aktien, in Immobilien und zu den Banken. Hier haben sich längst gefährliche Blasen gebildet, die die EZB künftig noch kräftiger aufpumpt.

Die Altersversorgung einfacher Bürger hingegen hat gestern noch einen Tiefschlag erlitten. Zinsen für das Rentenkonto wird es auf absehbare Zeit jedenfalls kaum mehr geben. Die EZB sollte die wahren Profiteure klar benennen: Es sind jene (südeuropäischen) Zombie-Banken, die seit der Finanzkrise noch immer nicht ausreichend Eigenkapital in ihre Bilanzen eingestellt haben. Sie dürfen sich freuen: Wieder nehmen Banker die Steuerzahler in Geiselhaft.