Für die Freiheit immer wieder mutig einstehen

Europa ist vereint in der Trauer. In der Trauer um die Opfer islamistischen Terrors – um die Zeichner und Journalisten von Charlie Hebdo, um Polizisten und um Juden. Dieser Terror versucht, Frankreich und die westliche Welt in die Knie zu zwingen. Gestern aber hat er das Gegenteil erreicht. Vereint in einer nie dagewesenen Gedenkversammlung, die selbst für die protestgeübten Franzosen eine neue Dimension darstellt, gaben Hunderttausende dem Widerstand ein Gesicht. Das war mutig, fast trotzig. Auf jeden Fall ein überwältigendes Signal. In Paris hat die Demokratie mit ihren Mitteln geantwortet auf ein abscheuliches und feiges Attentat auf die Meinungsfreiheit und auf unsere Kultur.

In den letzten Tagen haben wir auf dramatische Weise gesehen, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein Wert, der immer neu errungen werden muss. Vor diesem Hintergrund wird entscheidend sein, welche Relevanz dieser Gedanke bei den jetzt anstehenden Reaktionen haben wird. Politisch wird es darauf ankommen, entschlossen und gleichzeitig besonnen zu handeln. Unter dem Eindruck von Angst und Schrecken dürfen keine Grundrechte geopfert werden. Daher sind selbstverständlich Zweifel an der Vorratsdatenspeicherung erlaubt und nötig. Dieses Mittel konnte das Grauen von Paris jedenfalls nicht verhindern. Und deshalb ist es gut, dass die Innenminister in erster Linie auf klassische Polizeiarbeit, auf verdeckte Ermittlungen und auf den systematischen Austausch von Informationen setzen.

Unabhängig davon aber wird es auf jeden einzelnen von uns ankommen. Wenn wir erkennen, dass Freiheit und Meinungsfreiheit keine Geschenke vorausgegangener Generationen sind, werden wir entschlossen für unsere Werte einstehen. Weit über den gestrigen Tag hinaus.