Flüchtlinge

Europas schlechtes Gewissen

Viele Flüchtlinge versuchen, von Libyen aus das Meer zu überqueren.
Viele Flüchtlinge versuchen, von Libyen aus das Meer zu überqueren.
Foto:  epa

Das schlechte Gewissen setzt sich in Bewegung – endlich. Fast anderthalb Jahre sind vergangen seit dem Schiffsunglück, das als „Katastrophe von Lampedusa“ ein besonders düsteres Kapitel der Geschichte der EU bildet. Es bedurfte zweier Desaster ähnlicher Dimension im Abstand von nicht mal einer Woche, um den Verantwortlichen in der EU und den Hauptstädten mehr abzuringen als kosmetische Maßnahmen und Achselzucken.

Die jetzt entfaltete Aktivität belegt, worum es sich bislang gehandelt hat: um fortgesetzte unterlassene Hilfeleistung. Was zur Linderung des Problems notwendig ist, liegt auf der Hand: Seenotrettung, Bekämpfung des Schleuserwesens, Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern, menschenwürdige Aufnahmeverfahren, faire Verteilung der Flüchtlinge, Hilfe bei der Beseitigung der Fluchtursachen.

Nun also rafft sich die EU auf, wenigstens ein bisschen von dem zu tun, was sie als leistungsfähigste Wirtschaftszone der Welt tun kann. Genauer: Sie kündigt es an. Das ist mehr als nichts und damit mehr als bisher. Ob es die Wende zu einer humaneren Flüchtlingspolitik bedeutet, ist noch nicht absehbar.

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