Priesterstudie

Es liegt nicht allein am Zölibat

Immer weniger Menschen entscheiden sich für die Priesterweihe.
Immer weniger Menschen entscheiden sich für die Priesterweihe.
Foto: imago

Der Zölibat steht in unserer Gesellschaft symbolhaft für die vermeintliche Rückständigkeit der katholischen Kirche. Dass der Vatikan an der Ehelosigkeit der Priester festhält, gilt vielen als Beweis für seine blinde Verstocktheit. Dies mag so sehen, wer will. Wer jedoch das sinkende Interesse am Priesterberuf vor allem dem Zölibat zuschreibt, der liegt falsch.

In einer Gesellschaft, in der die religiöse Bindung des Einzelnen ei­ne immer kleinere Rolle spielt und in der die Kirche dementsprechend einen dramatischen Verlust an Einfluss erlebt, ist es geradezu unausweichlich, dass auch das Interesse sinkt, sich als Geistlicher dem Glauben und der Seelsorge zu verschreiben. Läge es in erster Linie am Zölibat, müsste ja in der evangelischen Kirche, deren Pfarrer und Pfarrerinnen heiraten dürfen, die Lage besser sein – stattdessen vermelden die Protestanten den gleichen Negativtrend beim Nachwuchs.

Trotzdem: Die neue Priesterstudie wird den Druck auf die katholische Kirche, den Zölibat zu streichen, erhöhen. Eine Kirche, die die Menschen überzeugen will, braucht überzeugende Geistliche – und keine, die an ihrem Amt (ver)zweifeln.