Es geht um den Zusammenhalt

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aum war die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration gestern bekannt, kursierten abstruse Vermutungen im Internet: Die Absage sei nur ein Vorwand des Polit-Systems, um Pegida niederzuringen. Andere fühlten sich bestätigt, dass „der Islam“ nun in Deutschland obsiegt habe. Die Terrorgefahr sei doch ein Beweis dafür. Ausgerechnet Pegida kann sich nun als „Opfer“ der Meinungsfreiheit stilisieren. Die Polizei wird hoffentlich gewichtige Gründe für das rigorose Demonstrationsverbot haben. Denn ansonsten besteht kein Anlass, das Grundrecht der Versammlungsfreiheit einzuschränken. Die Saat der Attentäter darf nicht aufgehen.

Ungeachtet dessen entwickeln sich unter den Sympathisanten der Pegida die Mythen. Es macht ohnmächtig, wenn deren Anhänger den Nachrichten nicht mehr trauen. Bei ihnen zählt weder die nüchterne Analyse noch die Auseinandersetzung mit Meinungen. Aus einem diffusen Gefühl der Unzufriedenheit heraus bauen sie sich ihr Weltbild. Was da nicht passt, wird schlichtweg der Lüge bezichtigt. Nahrung dafür finden diese Menschen im Internet, wo selbst die absonderlichsten Geschichten noch eine Bestätigung finden.

Was tun, wenn Argumenten gegenüber Augen und Ohren verschlossen bleiben? Immer wieder reden, immer wieder Kontakt suchen und auch: auf Gegen-Demonstrationen zeigen, dass Sprücheklopfer und Vereinfacher nicht in der Mehrzahl sind. Das kostet Mühe, ja. Aber es geht um nicht weniger als den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.