Es geht nicht um Schönheit

Um den Denkmalschutz in Deutschland beneiden uns die Nachbarn in der EU. In vielen Ländern sind Wahrzeichen von privaten Sponsoren und Vereinen abhängig. Das sieht man in Frankreich, in Polen, in Griechenland, Italien aber auch in Großbritannien abseits der Touristenattraktionen. Verfall, soweit das Auge reicht. Insofern hat der Gesetzgeber uns einen Schatz anvertraut. Einen Schatz, der Steuerzahler teuer zu stehen kommen kann.

Gebäude aus den 60er Jahren haben nicht gerade den Charme antiker Stätten - oder, bleiben wir mal mit beiden Füßen auf dem Teppich, eines Ensembles von Fachwerkhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Trotzdem ist es nachvollziehbar, dass ein Hochhaus wie in Siegen als schützenswert erachtet wird. Man mag sich streiten, ob es schön oder hässlich ist, aber es prägte über Jahrzehnte die Stadt. Es hat Charakter, erzählt eine Geschichte. Andererseits haben solche Bauten historische Gebäude ersetzt. Es ist ein Für und Wider.

Der Gesetzgeber hat die Hürden, Denkmäler von der Liste zu löschen, hoch angesetzt. Mit Bedacht. Denn was heute nicht gefällt, kann morgen als Bereicherung empfunden werden. Manchmal muss beim Betrachter etwas wachsen, wie bei einem Gemälde zum Beispiel, das man mit der Zeit versteht und lieben lernt.

Trotzdem ist der Zeitpunkt gekommen, den Denkmalschutz wieder in die politische Diskussion zu führen und die Gesetze zu überdenken. Es gilt, Interessen abzuwägen. Manchmal kann Denkmalschutz einer Gemeinschaft auch schaden. Letztlich aber sollte man den Historikern die Entscheidung überlassen. Sie sind die Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Zukunft.