Erst Athen, jetzt Madrid? - von Gudrun Büscher

Eine Demonstration von Anhängern der Partei Podemos in Madrid.
Eine Demonstration von Anhängern der Partei Podemos in Madrid.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Spanien, die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Eurozone könnte mit einem radikalen Linksruck bei den Wahlen Ende des Jahres die Europäische Union tatsächlich zum Beben bringen.

Der rasante Aufstieg der Protestpartei Podemos in Spanien ist ein Albtraum für die etablierte Politik in Madrid und in Brüssel. Er zeigt, wie schnell der Funke aus Griechenland überspringen kann auf die anderen Krisenstaaten der EU, die unter den Sparauflagen leiden. Und davon gibt es leider immer noch viele.

Griechenland gehört nicht zu den Schwergewichten in der Eurozone. Ein Schuldenschnitt oder auch die Rückkehr zur Drachme wären für die Europäische Union zwar nicht wünschenswert, aber vermutlich verkraftbar. Spanien aber gehört zu den Schwergewichten. Die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Eurozone könnte mit einem radikalen Linksruck bei den Wahlen Ende des Jahres die Europäische Union tatsächlich zum Beben bringen.

Unwahrscheinlich ist das nicht. Alexis Tsipras, der neue linke Regierungschef in Athen, und Pablo Iglesias, Anführer der spanischen Schwesterpartei Podemos, unterstützen sich gegenseitig. Tsipras’ erste Auslandsreisen führt auch nicht nach Brüssel, sondern in die Krisenländer Zypern und Italien. Tsipras und Iglesias sprechen dem gebeutelten Volk aus dem Herzen, das einen sehr hohen Preis zahlt für die Misswirtschaft der Vergangenheit. Die Menschen in den Krisenländern brauchen eine realistische Perspektive. Aber die gibt es nur in der Gemeinschaft, nicht gegen sie.