Erhebliches Missverhältnis

Natürlich kann man jetzt sagen: Diese Bauern, immer am Klagen, die Kunden sollte es doch freuen, wenn der Milchpreis fällt. Aber das wäre zu kurz gedacht. Denn dem Argument steht das erhebliche Missverhältnis von Aufwand und Ertrag entgegen, das hinter Grundnahrungsmitteln wie Milch steckt. Wir erwarten von den Landwirten, dass sie ihr Vieh artgerecht halten und ihr Getreide unbelastet anbauen, damit unser tägliches Brot gesund auf den Tisch kommen kann. Aber bezahlen wollen wir nicht dafür. Das kann nicht gut gehen. Und es geht auch nicht gut, wie die Lebensmittelskandale beweisen.


Die periodischen Milchpreiskrisen sind ebenso wie die Spekulationen mit Getreide an der Börse ein Indiz dafür, dass wir eine neue Ethik des Umgangs mit Nahrungsmitteln brauchen. Es gibt in den reichen Ländern keine Wertschätzung mehr für Milch oder Brot. Sie sind verfügbar, und zwar so billig, dass sie ohne Gewissensbisse weggeworfen werden. Die Bio-Milch ist vom aktuellen Preisverfall übrigens nicht betroffen. Die Konsumenten im Bio-Sektor sind also bereit, für nachhaltig erzeugte Lebensmittel tiefer in die Tasche zu greifen. Das zeigt, dass es auf den Verbraucher ankommt. Er hat die Macht, zum Beispiel beim Einkauf auf regionale Produkte zu setzen und damit im Blick zu behalten, dass die Milch vom Bauernhof kommt und nicht aus der Tüte.