Abi-Bälle

Eleganter Abgang der Abiturienten

Der Leistungsdruck ist gestiegen. Wer ein Bildungsniveau erreicht hat, will das mit einer filmreifen Inszenierung zeigen.
Der Leistungsdruck ist gestiegen. Wer ein Bildungsniveau erreicht hat, will das mit einer filmreifen Inszenierung zeigen.
Foto: Mathias Schumacher

Der Abiball hat sich verändert. Auch wenn das Verlangen, das Ende der Schulzeit zu feiern, nicht neu ist. Anders ist die Umsetzung. Heute geht es um einen eleganten Abgang, bei dem sogar mit Lehrern getanzt wird.

Was für ein Aufwand. Ein Jahr vorher einen Festsaal anzumieten und die Finanzierung zu regeln. Der ganze Spaß kostet schließlich um die 30 000 Euro. Das Büfett muss bestellt werden, es soll mehr hermachen als dieses Kartoffelsalat-Würstchen-Einerlei. Dann die Kleiderfrage. Endlich erwachsen! Für sein Kleid gibt manches Mädchen 350 Euro aus. Und wir sprechen hier vom Abiball, nicht von einem Staatsempfang für die Queen.

Der Abiball hat sich verändert. Auch wenn das Verlangen, das Ende der Schulzeit zu feiern, nicht neu ist. Anders ist die Umsetzung. In den 70er-Jahren blieben Abiturienten unter sich. Sie tranken Wein, fanden sich wild und philosophierten über Nihilismus. Von den Eltern pflegten sie sich mit einem Gammellook abzusetzen. Heute geht es dagegen um einen eleganten Abgang, bei dem sogar mit Lehrern getanzt wird.

Man kann das merkwürdig finden, aber man kann es auch erklären. Der Leistungsdruck ist gestiegen. Wer ein Bildungsniveau erreicht hat, will das mit einer filmreifen Inszenierung zeigen. Außerdem machen andere es vor. Die Amerikaner zelebrieren schon ewig pompöse Bälle. – Ob schlichte Fete oder große Show: Wir sprechen hier über das große Finale. Erinnern wird man sich daran so oder so ein Leben lang.

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