Terminierung der Fußball-WM

Eine WM aus der Retorte

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Es ist erst ein paar Wochen her, dass die Handballer in Katar ihre Weltmeisterschaft ausspielten. Das Turnier mitten in der Wüste war hervorragend organisiert – und völlig blutleer. In den supermodernen Hallen blitzten die leeren Sitzschalen, obwohl die Veranstalter vielen Fans aus dem Ausland sogar Geld für die Anreise gezahlt hatten. Das ganze Emirat funkelte wie der blank geputzte Siegerpokal – doch die Bevölkerung interessierte sich nicht die Bohne für die exotische Sportart.


Sicher, die Fußball-WM ist eine ganz andere Nummer. Dass sie auch im Jahr 2022 ein Publikumserfolg wird, steht fast so fest wie die Meisterschaft von Bayern München. Aber: Katar ist und bleibt Standort einer Retorten-WM. Das Spektakel nun in die Vorweihnachtszeit zu verlegen, ist das Eingeständnis der Fifa, mit der Vergabe an den Wüstenstaat eine kapitale Fehlentscheidung getroffen zu haben. Nun muss der Weltverband die Folgen tragen; Karl-Heinz Rummenigge hat ja schon einen finanziellen Ausgleich für die europäischen Spitzenvereine gefordert.


Die Fans in aller Welt können mit dem Termin leben. Sie werden ihren Spaß am Fußball auch im Winter zu organisieren wissen. Aber: Das Theater um den Termin darf nicht ausblenden, dass die WM auch aus anderen Gründen niemals hätte an Katar vergeben werden dürfen. Die Machthaber dort pfeifen auf demokratische Prinzipien. Wanderarbeiter, die schöne Stadien und Hotels aus dem Wüstenboden stampfen, werden ausgebeutet und wie Sklaven behandelt. Frauen gelten als Menschen zweiter Klasse, Homosexualität ist verboten. Der Fifa (und anderen Sportverbänden) ist das alles egal. Hauptsache, die Finanzen stimmen. Zumindest in dieser Frage muss sich niemand Sorgen machen.