Eine hausgemachte Schande

Selten ist polizeiliches Fehlverhalten in Amerika so erschütternd und lückenlos im Detail festgehalten worden wie auf dem Video, das den sinnlosen Tod von Walter Scott zeigt. Nichts, rein gar nichts rechtfertigt den Einsatz der Waffe, die der Polizist Michael Slager ohne Vorwarnung auf einen unbewaffneten, ungefährlichen und davon laufenden Mann richtete.

Ohne den Live-Mitschnitt eines Passanten würde heute wohl niemand über die obszöne Willkür Slagers reden. Die Polizei in North Charleston hat in einer ersten Stellungnahme schlicht gelogen. Erst als die furchtbaren Bilder in Umlauf gerieten, wurde der Beamte verhaftet und angeklagt. Der Ruf nach „Body Cams“, die jeden Kontakt von Ordnungshütern mit Bürgern festhalten, wird nun noch lauter. Die technische Aufrüstung ist aber nur Ersatzbefriedigung. In den Köpfen von Polizisten, die schneller schießen als denken, ist etwas Fundamentales abhanden gekommen: Empathie.

Polizisten in den USA sind unterbezahlt, überbewaffnet und oft miserabel ausgebildet. Polizisten in den USA werden nur ungenügend in Methoden trainiert, die Situationen ohne Schusswaffen-Gewalt entschärfen. In dieser Gemengelage haben kleinste Fehleinschätzung tödliche Konsequenzen. Eine Schande. Eine hausgemachte Schande.