Inflation

Eine geldpolitische Gratwanderung

Autofahren ist, was das Tanken angeht, günstig. Heizen ebenfalls. Lebensmittel allerdings sind teurer geworden. Die Kosten für Energieträger sind es im Wesentlichen, die aktuell die Preissteigerung auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gedrückt haben. Eine anhaltend niedrige Inflation ist aus Sicht der Verbraucher erfreulich. Für die gesamtwirtschaftliche Lage gilt dies nicht.

Steigen die Preise gar nicht mehr oder fallen sie sogar auf breiter Front, setzt das eine nicht gewollte Abwärtsspirale in Gang: Unternehmen investieren nicht mehr, Verbraucher zögern Anschaffungen in Erwartung weiter sinkender Preise immer weiter hinaus. Das würde den Konjunkturmotor ins Stottern bringen, ihn sogar bremsen und die Konjunkturerholung gefährden. Von diesem Szenario ist zumindest Deutschland noch weit entfernt.

Und die Stimmen aus der Europäischen Zentralbank wie aus der Bundesbank lassen darauf schließen, dass die Gefahr erkannt ist und, falls notwendig, gebannt wird. Das ist allerdings keine einfache Aufgabe – weil die Voraussetzungen im gesamten Euro-Raum extrem unterschiedlich sind: die teils immer noch kriselnden Staaten im Süden Europas auf der einen und die Länder mit anziehender Konjunktur im Norden und Westen. Am Ende wird es auf den Kauf von Staatsanleihen hinauslaufen, um Geld in den Markt zu pumpen.


Die Europäische Zentralbank ist vielleicht auf den entscheidenden Streckenabschnitt auf dem Weg zu einer wirtschaftlichen Stabilisierung oder sogar hin zu einem durchgreifenden Aufschwung im gesamten Euro-Raum eingebogen: Sie muss eine geldpolitische Gratwanderung hinlegen.