Schwarz-Grün

Eine gehemmte Beziehung

Die Chance für eine schwarz-grüne Koalition ist vertan. Sonderlich groß war sie nie. Speeddating mag unter Singles funktionieren. In der Politik ist die Kontaktanbahnung langwieriger. Es gab in den letzten Jahren zu wenig Politiker, die ein Bündnis vorbereitet haben. Es fehlte bei den Grünen dafür eine Führungsfigur. Der Zeitpunkt ist auch tatsächlich ungünstig: Ihre halbe Führung wird gerade ausgetauscht, und ein strategisches Zentrum fehlt.

Parteichef Cem Özdemir ist ein Beispiel dafür. Im Deutschlandfunk erklärte er gestern, warum die Sondierungen gescheitert sind, um am Ende aber festzustellen: „Mal schauen, was rauskommt mit den Sozialdemokraten“. Man habe als Grüne auch eine „staatspolitische Verantwortung“. Das soll wohl heißen, dass die SPD das Recht der ersten Nacht hat und die Grünen gerade Kopfschmerzen haben, aber doch in Merkels Bett springen könnten, oder? In diesem Fall wäre es womöglich ein gemachtes Bett. Wenn SPD und Union verhandeln, aber das Ergebnis von der sozialdemokratischen Basis abgelehnt wird, wäre ihre Einigung eine Blaupause. In vielen Punkten vertreten SPD und Grüne ähnliche Ansichten. Die Grünen würden da anfangen, wo Union und SPD aufgehört hätten. Dieser Fall ist denkbar, aber momentan nicht mehr als ein feuchter Traum von unverzagten Schwarz-Grünen.

Ein bisschen schwanger gibt es nicht. Erst mal ist die Chance zu Schwarz-Grün dahin. Langfristig waren die Gespräche keine verlorene Zeit. Man kann sagen, dass die Grünen in den Augen der Christdemokraten erst jetzt ein normaler Partner sind. Man kann mit ihnen regieren - oder auch nicht. Prinzipiell steht einem Bündnis nichts entgegen. Die Hemmungen waren schon viel größer. Es gibt eine neue Haltung, eine Aufgeschlossenheit – in Hessen auffälliger als im Bund.

Dass aus Schwarz-Grün jetzt nichts wird, daran hatte Angela Merkel ihren Anteil. Die Bundestagswahl ist bald vier Wochen her, und die Siegerin hat sich nie groß um die Grünen bemüht. Sie hat zuerst mit der SPD geredet und Sigmar Gabriel im Kanzleramt empfangen. Nie hat Merkel auch die CSU gestoppt, die den Grünen in den letzten Wochen das Gefühl gab, dass sie nur zweite Wahl seien. So haben sich die Grünen auch verhalten: Sie haben nicht an ihre Chance geglaubt.

Für die nächsten Jahre stellen sich die Grünen auf die Oppositionsrolle ein. Und sie werden gegen die CDU-Kanzlerin opponieren. Gleichzeitig einen Vorrat an Gemeinsamkeiten anzulegen, ist schwer. Das hat die SPD der Union jedenfalls voraus.

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