Eine feste und grausame Größe

Ein Jahr nach der Eroberung der nordirakischen Millionenstadt Mossul hat sich der „Islamische Staat“ als eine ebenso feste wie grausame Größe in einer Region etabliert, die vor den Augen der Weltöffentlichkeit zerfällt. Die von Selbstsucht und Missgunst befeuerte Unfähigkeit der irakischen Regierung, einen Prozess der nationalen Versöhnung einzuleiten, und das Chaos im Bürgerkriegsland Syrien spielen den Fanatikern in die Hände. Die Erfolgsmeldungen der US-geführten Koalition entpuppen sich immer wieder als Zweckoptinismus. Der IS wird nicht schwächer. Er wird stärker. Zuletzt haben etliche Scheichs, Stammesführer aus der irakischen Wüstenprovinz Anbar, dem Kalifat die Treue geschworen, sie bringen ihm Tausende neue Kämpfer.

Die Aufstockung des Kontingents von US-Militärberatern auf bald 4000 Soldaten wird kaum etwas an der Misere ändern. Solange die irakischen Sunniten von der politischen Teilhabe ausgeschlossen sind, werden sie den IS als das kleinere Übel betrachten. Die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad aber wird immer stärker von Teheran gesteuert, schiitische Milizen, die in ihrer Grausamkeit und Rachsüchtigkeit den IS-Milizen gleich kommen, kämpfen an vorderster Front.

Das Gemetzel im Irak und in Syrien wird über Jahre weitergehen, der IS wird noch lange auch eine Bedrohung für den Westen bleiben, der ihm durch aktives Handeln, Wegsehen und Naivität Geburtshilfe geleistet hat. Millionen Menschen leiden. Ihnen zu helfen, sie nicht zu vergessen, ist das Mindeste, was die Weltgemeinschaft tun kann.