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Ein Warnsignal für Merkel

26.03.2013 | 16:50 Uhr
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Ein Warnsignal für Merkel
Absurden und geschmacklosen Nazi-Vergleich zum Trotz: Die Regierung Merkel hat die Krisenstaaten lange einseitig zum Sparen, Kürzen und Streichen gedrängt und damit soziale Verwerfungen in den Ländern in Kauf genommen.Foto: Katia Christodoulou/epa

Die unverhohlene Attacke des luxemburgischen Außenministers ist ein neues, ernst zu nehmendes Warnsignal: Die Euro-Politik Merkelscher Prägung droht Europa zu spalten. Was ist – abseits absurder und geschmackloser Nazi-Vergleiche – dran an der Kritik?

Die Deutschen, die andere Nationen finanziell „erwürgen“, mit ihrem „Hegemoniestreben“ die Partner verschrecken und ihnen oberlehrerhaft vorschreiben wollen, wie ihr „Geschäftsmodell“ gefälligst auszusehen hat. Das sind harte Worte an die Adresse der Bundesregierung, wie sie in den letzten Monaten oft aus Athen, Rom oder Nikosia zu hören waren. Doch diesmal ist es anders.

Denn die Vorwürfe kommen nicht von den üblichen Verdächtigen aus Südeuropa, sondern aus Luxemburg, weltweit geschätzter Finanzplatz und weit entfernt von südlicher Hoppla-Hop-Mentalität. Die unverhohlene Attacke des luxemburgischen Außenministers ist ein neues, ernst zu nehmendes Warnsignal: Die Euro-Politik Merkelscher Prägung droht Europa zu spalten.

In Griechenland verkörpert die Bundeskanzlerin die drastischen Auflagen der EU, die vielen Rentnern, Sparern und Arbeitern in Hellas schmerzhafte Einbußen bescheren. In Italien wurde Premier Monti von den Wählern geradezu abgestraft, weil er mit seinem Sparkurs als Marionette der Deutschen galt. Und in Zypern entlud sich der Zorn der Menschen, die um ihre Ersparnisse bangen, in blankem Hass auf die Deutschen.

Was ist – abseits absurder und geschmackloser Nazi-Vergleiche – dran an der Kritik? Richtig ist: Die Regierung Merkel hat die Krisenstaaten lange einseitig zum Sparen, Kürzen und Streichen gedrängt und damit soziale Verwerfungen in den Ländern in Kauf genommen. Die negativen Auswirkungen eines beinharten Sparkurses auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt der ohnehin angeschlagenen Volkswirtschaften hat sie ausgeblendet oder zumindest unterschätzt. Oft als belehrend und arrogant empfundene Kommentare aus Berlin taten ein Übriges.

Berlin hat zugestimmt, als Griechenland und Zypern den Euro bekamen. Ob diese Länder damals wirklich reif waren für die Gemeinschaftswährung – das ist heute vergossene Milch. Die deutsche Wirtschaft boomt wegen des Exports, auch nach Südeuropa. Euro-Land muss sich als Schicksalsgemeinschaft verstehen, will man in der globalisierten Welt eine starke Rolle spielen. Dazu gehört Solidarität.

Walter Bau

Kommentare
30.03.2013
17:29
Ein Warnsignal für Merkel
von awtwahl | #6

und das vom NABEL DER WELT ? weiter so meine Herren es wird amuesanter !

28.03.2013
00:21
Ein Warnsignal für Merkel
von buerger99 | #5

Dann zeigen sie Solidarität Herr Bau und überweisen die Hälfte ihres Gehaltes in die PIIGS Länder. Man wird es ihnen danken ;-)
Genauso wie man uns nun dankt das wir jahrelang diesen Euro Kindergarten durchgefüttert haben. Das wir dem € eine Harte, Wertstabile Währung gegeben haben und dafür auf die M verzichtet haben.
Und was haben diese EU Vollpfosten daraus gemacht ?

Alle PIIGS Länder haben sich selber in diese Situation befördert. Durch maßloses Wachstam, Prassen und total überzogene Gehaltserhöhung.
Zypern ist ein Land mit einer aufgeblasen Bankenblase. in Spanien besitzen 80% der Bürger Wohneigentum !
Und diese ewige gelaber das der Export in die EU boomt. Liegt es vielleicht daran das wir Produkte verkaufen die die anderen nicht produzieren können. Der Weltmarkt für Südfrüchte und Gemüse ist nun mal härter umkämpft als für Maschienen und Autos. Warum ist Peugeot, Fiat nicht so erfolgreich ? Weil sie es verschlafen haben oder murks produzieren.

27.03.2013
19:19
Solidarität, Austritätspolitik und Finanzmarktregulierung
von sichau1 | #4

Solidarität: mehr als zutreffend; nur: Merkels Austeritätspolitik hat nichts mit Solidarität zu tun. Statt erhoffter Verbesserung ist Verschlechterung eingetreten, vor der rennomierte Wissenschaftler schon mit Beginn der Griechenland-"Hilfen" gewarnt haben.
Konsequente Finanzmarktregulierung zur Verhinderung von Finanzmarkt- und Bankenkrisen: Bisher leider mehr als Fehlanzeige.
Stattdessen wird von "marktkonformer Demokratie" gefaselt - und kaum einer schreit auf oder erinnert die Bundeskanzlerin an ihren Amtseid!

27.03.2013
02:57
Ein Warnsignal für Merkel
von Jorgel | #3

Lieber Herr Bau.,
wenn Solidarität ihrer Meinung nach darin besteht, Milliarden deutscher Steuergelder ohne Aussicht auf Besserung der Lage und ohne Gegenleistung an Länder zu verschenken, die ihren drohenden Staatsbankrott selbst verschuldet haben, dann ist das keine Solidarität, sondern schlicht und einfach Dummheit.

Die deutschen Wähler würden dies keiner Regierung durchgehen lassen, egal wer diese führt. Sie kritisieren und reden von Schicksalsgemeinschaft und Solidarität, nur praktikable Vorschläge bleiben sie schuldig. Ich glaube, da machen sie es sich doch zu einfach...

2 Antworten
Staatsbankrott, Schicksalsgemeinschaft und Steuergelder
von sichau1 | #3-1

Ein Staat kann kaum "Pleite" gehen, sofern er eine funktionierende Notenbank hat - siehe USA und Japan. Nur: die Notenbank von Zypern ist die EZB!!, und die handelt offensichtlich nicht wie eine funktionierende Notenbank - aus welchen Gründen auch immer.
Das mit der Schicksalsgemeinschaft ist sehr zutreffend. Wehe uns Deutschen, wenn der Euro scheitert - wir werden die Hauptleidtragenden sein; leider sind Merkel, Schäuble & Co. unter den Augen unserer Qualitätsmedien dabei, diesem Scheitern mit den Weg zu bereiten.
Wieviel Steuergelder sind denn schon ausgegeben worden? Ich weiß allerdings, dass (in) Deutschland an der Griechenland-"Hilfe" verdient (wurde) hat - wobei die "Hilfe" den Banken und besonders ihren Einlegern und nicht dem griechischen Volk zugute kam.
Und schließlich: Austeritätspolitik schafft keine Besserung - im Gegenteil; Heinrich Brünings Politik vor mehr als 80 Jahren ist erschütterndes Beispiel dafür!

Ein Warnsignal für Merkel
von Jorgel | #3-2

"die Notenbank von Zypern ist die EZB"

Dann ist die Zyperns Notenbank wohl nur eine Erfindung...

http://www.welt.de/wirtschaft/article114814716/Zyperns-Notenbank-entlaesst-Bank-of-Cyprus-Chef.html

26.03.2013
19:53
Ein Warnsignal für Merkel
von berni44 | #2

Da muss der Außenminister von Luxemburg gerade laut tönen. War Luxemburg nicht auch eine Steueroase? In der z. B. Deutsche Bürger und andere Ihr Geld vor dem Fiskus versteckt hatten.
Hier ist Luxemburg mit Zypern gleich zu setzen. Bloss diese haben den russischen Fiskus hinters Licht geführt.
Eine Kanzlerin muss an das Deutsche Volk denken. Das Deutsche Volk muss ja im Zweifel für diese Überweisungen an diese maroden Staaten mit haften.

Wenn jemand meint, das würde im Zweifel ohne die viele kleinen Leute gehen, der irrt gewaltig.
Schon heute sind bei uns schon verdeckte Steuererhöhungen genannt. Nach den Wahlen werden wir es alle merken.
Ich hoffe nicht, dass die Einwohner in Deutschland den Knüppel in die Hand nehmen und drauf hauen. Ein Volk, dass rennt kann keiner aufhalten.

26.03.2013
18:40
Ein Warnsignal für Merkel "vom weltweit geschätzten Finanzplatz Luxemburg"
von albertus28 | #1

Das" Geschäftsmodell " Luxemburgs unterscheidet sich kaum von Zypern und das wird den Europäern auch immer klarer.Aus diesem Grund mahnt nun plötzlich der brave Außenminister die Deutschen,sie mögen doch netter mit den Krisenverursacher zu sein.Denn es könnte ja in der Tat dem völlig überdimensionierten Bankenplatz Luxemburg an den Kragen gehen.
Dass Walter Bau dem zustimmt und nun auch noch die deutsche Politik/die Deutschen mahnt,(noch mehr)Solidarität zu üben,ist schon stark.
Vielleicht erklärt er den Lesern, was er denn damit meint.Sollen wir die Schulden übernehmen?.Sollten wir die "Geschäftsmodelle" tolerieren,mit denen Zypern,Griechenland,Luxemburg gut und lange auf Kosten andere lebt?
.

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