Buchmesse

Ein Stück Freiheit

Bücher und Meinungsfreiheit sind untrennbar. Denn nichts hassen Diktatoren und Fanatiker jedweder Couleur so sehr wie Texte, die länger als eine Parole sind. Das Nachdenkliche, das kritische Hinterfragen, die Vielstimmigkeit sind das Geburtsrecht der Buchbranche. Und sie sind in Gefahr. Nicht nur in den autoritär regierten Drittwelt-Staaten, sondern in Europa selbst, dem Mutterkontinent der Demokratie.

Wer hätte denn zum Beispiel gedacht, dass Zensur in all ihren Spielarten wieder ein derart beherrschendes Thema sein würde. Darf man keine Mohammed-Karikaturen drucken, weil sich militante Muslime davon so beleidigt fühlen könnten, dass sie Bomben werfen? Soll man rassistische und revanchistische und verhetzende Schriften verbieten? Oder soll man auf die Klugheit des Lesers vertrauen, der sich selbst ein Urteil bilden kann?

Diese Fragen werden auf der Buchmesse diskutiert. Damit spiegelt das Literaturereignis die brennenden Themen der Zeit. Das muss auch so sein. Denn das Selbstverständnis der westlichen Welt definiert sich durch den Umgang mit dem Denken. Dass es hierzulande nicht mehr die Despoten sind, die eine Suche nach Antworten verdächtig finden, sondern dass auch viele Bürger ihr Recht auf komplexe Information verweigern und nach einfachen Lösungen rufen, macht die Lage nicht einfacher. Aber ohne Freiheit muss der Westen scheitern, mit allen Werten, für die er steht. So weh diese Freiheit auch im Einzelfall tun mag.