Ein Signal, das Hoffnung macht

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin Seite an Seite im stillen Gedenken an die unzähligen sowjetischen Opfer des Zweiten Weltkriegs, danach beide vertieft in einen Dialog – von diesem Ende des Gedenkmarathons geht ein Signal aus, das Hoffnung macht. So sehr der Ukraine-Konflikt den Westen und Moskau voneinander entfremdet hat, der Gesprächsfaden ist nicht abgerissen. Die gemeinsame Erinnerung an die größte aller menschengemachten Katastrophen verbietet Sprachlosigkeit. Es war ein kluger diplomatischer Zug der Kanzlerin, den Affront, das Fernbleiben von den offiziellen Feierlichkeiten in Moskau am Samstag durch die gestrige gemeinsame Kranzniederlegung abzumildern. Putin wahrt sein Gesicht, das zählt viel in seiner Welt.

Die martialische Waffenschau am Samstag hat aber auch etwas deutlich gemacht: Russland ist in der Staatengemeinschaft bei weitem nicht so isoliert, wie es mancher im Westen gerne hätte: Die Staatenlenker, die nach Moskau kamen, repräsentieren einen großen Teil der Weltbevölkerung. Sie führen Nationen an, in denen die Ukraine nicht interessiert und die robuste Außenpolitik Moskaus mit weniger Argwohn betrachtet wird, als die vermeintlich wertegeleitete, aber all zu oft doppelzüngige des Westens. Nicht nur wegen des so befremdlich pompös zur Schau gestellten Militärgeräts war die Siegesparade also ein Ausdruck russischer Stärke.

Für Putin war es ein gutes Wochenende. Wenn es eines war, dass ihm Kraft gibt, sich aus den innenpolitischen Fesseln der nationalistischen Hardliner in Moskau zu lösen, könnte das den festgefahrenen Verhandlungen im Ukraine-Konflikt neuen Schub verleihen – das wäre ein würdiger Ausklang des Gedenkens an das Kriegsende vor 70 Jahren.