Ein Pakt auch für mehr Freiheit im Iran

Der Atomvertrag mit dem Iran hat das Zeug zu einer historischen Wende. Er wird das Gesicht der Welt verändern genauso wie die Züge des Nahen Ostens und das Leben der Islamischen Republik. Nach Jahrzehnten erstarrter Dauerfeindschaft könnten Washington und Teheran jetzt wieder zu globalen Partnern werden – nicht nur in Afghanistan, auch im Kampf gegen den Islamischen Staat und bei der Beendigung des Syrienkrieges. Im Nahen Osten, der eine kollektive Destabilisierung der arabischen Staatenwelt erlebt, könnte dem Iran neben der zweiten noch intakten Regionalmacht Türkei wieder eine tragende Rolle zufallen.

Seine Rückkehr auf die internationale Bühne aber wird auch die Islamische Republik verändern. Mit seinen 15 Jahren Laufzeit schiebt das Wiener Abkommen nicht nur das Atomdossier der nächsten Generation zu, sondern auch die Entscheidung über den künftigen Platz des schiitischen Gottesstaates auf dem Globus. Noch hat die betagte Gründergeneration der Islamischen Republik das Heft fest in der Hand. Ihre Tage aber sind gezählt. Ob die bisherige Bilanz die politischen Erben überzeugt, daran gibt es berechtigte Zweifel. Die Staatsgründer haben die iranischen Ressourcen im Kampf um die dubiosen Nuklearwindmühlen in unfassbarer Weise vergeudet. Ihre Nachkommen traktierten sie durch engstirnige religiös-ideologische Gängelei und erdrückende Arbeitslosigkeit. Kein Wunder, dass die Jungen in Zukunft vor allem eins wollen – freier und besser leben.