Ein Kompromiss, der keine Verlierer kennt

Der monatelange Dauerkonflikt ist entschärft, weitere Bahnstreiks abgewendet: Die Tarifauseinandersetzung zwischen Deutscher Bahn und der Gewerkschaft GDL ist beigelegt. Damit haben die beiden Schlichter, Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und der frühere brandenburgische Regierungschef Michael Platzeck, geschafft, was viele – nach neun Streiks, die Millionen Bahnkunden getroffen hatten – für kaum mehr erreichbar hielten: eine Einigung.

Insgesamt 14 Verträge und zwei Protokolle, alles zusammen mehrere hundert Seiten Papier, umfasst das Tarifwerk. Allein diese Zahlen sagen etwas über die Arbeit des Schlichter-Duos aus. Ramelow und Platzeck haben mit Beharrlichkeit verhandelt, sind Schritt für Schritt vorgegangen. Zwischenzeitlich ist das Schlichtungsverfahren zweimal verlängert worden, weil die Fortschritte eben nur langsam zu erzielen waren. Davon hat sich aber keiner der Beteiligten aus der Ruhe bringen lassen. Viel mehr noch: Während der fünf Wochen drang nichts an die Öffentlichkeit; es waren Verhandlungen in Verschwiegenheit.

Die Einigung im Tarif-Konflikt der Bahn ist ein Kompromiss – aber kein fauler, ganz im Gegenteil. Die Vereinbarung ist so dosiert, dass es keine Verlierer, sondern eher Gewinner gibt: Deutsche Bahn, die GDL mit ihrem Vorsitzenden Claus Weselsky, die Konkurrenzgewerkschaft EVG und die Beschäftigten können gut mit den erreichten Ergebnissen leben. Und die Schlichtung ist langfristig angelegt, mit einer Friedenspflicht bis zum Jahr 2020. Damit profitieren am Ende auch die Bahnkunden. Die Einigung, die Ramelow und Platzeck erreicht haben, ist somit beispielhaft: ein solider, tragfähiger Kompromiss.