Ein Hauch von Geschichte

Doch, doch – da wehte ein Hauch von Geschichte durch Panama City. Man sollte mit Superlativen gerade als Journalist immer ein wenig vorsichtig sein, aber die Begegnung zwischen Raúl Castro und Barack Obama war selbstverständlich ein Treffen der besonderen Art. Fast scheint es so, als wenn mit der Annäherung der Todfeinde USA und Kuba das letzte Stück des Kalten Krieges wirklich bald überwunden sein könnte.

Auf beide Seiten wartet allerdings noch viel Arbeit. Mit einem Händedruck können politische und militärische Gräben, die seit der Machtergreifung von Fidel Castro 1959 immer tiefer geworden waren, nicht in kurzer Zeit zugeschüttet werden. Und auch die gegenseitige diplomatische Anerkennung kann nur ein erster Schritt sein. Denn für beide Seiten steht viel auf dem Spiel.

Barack Obama, dem glücklosen Präsidenten, ist knapp zwei Jahre vor dem Amts-Wechsel im Weißen Haus immerhin ein außenpolitischer Coup geglückt. Nach dem Atom-Deal mit dem Iran, an dem er trotz heftigen Gegenwindes unbeirrt festhielt, will der mächtigste Mann der Welt nun endlich den Frieden mit Kuba einstielen. Und das ist nicht nur den Millionen Latinos in den amerikanischen Südstaaten geschuldet.

Obama will auch deshalb Fakten schaffen, weil er weiß, dass ein möglicher republikanischer Präsidenten-Nachfolger mit einer großen Mehrheit im Kongress den Schritt zurück im Verhältnis mit Kuba wagen könnte.

Für die greisen Castros geht es um nichts weniger als um ihre Macht. Die Menschen auf der karibischen Sonneninsel haben die alt-kommunistische Staats-Diktatur aus Unterdrückung und täglicher Bevormundung á la Stasi schon lange satt. Sie dürsten nach Veränderungen, nach ein wenig Wohlstand und persönlicher Freiheit. Das Obama-Amerika reicht ihnen dazu die Hand. Raúl Castro hat sie in einer ersten Geste ergriffen. Die entscheidende Frage ist allerdings: Wie lange kann er das Schicksal seines Landes noch bestimmen?