Ein gutes Gegengift

Im deutschen Gesundheitswesen werden schwindelerregende Summen umgesetzt, rund 300 Milliarden Euro im Jahr. So viel Geld fördert die Korruptionsanfälligkeit eines Systems, zumal, wenn die Gesetzgebung ein Scheunentor für Fehlverhalten öffnet. Wenn sich Ärzte, Apotheker oder Vertreter anderer Gesundheitsberufe von der Pharmaindustrie schmieren lassen, ist das noch immer nicht strafbewehrt. Unglaublich eigentlich, ist Korruption im Gesundheitssystem doch Gift für das Gemeinwesen.

Ein Mediziner, der seinem Patienten ein teures Medikament nur deswegen verschreibt, weil er dafür Geschenke von seinem Pharmavertreter erhält, treibt die ohnehin schon überbordenden Kosten im Gesundheitswesen weiter hoch. Der alljährliche Schaden ist nur schwer zu schätzen, der Bundesgerichtshof sprach 2012 von „gravierenden finanziellen Belastungen“. Insofern ist es überfällig, dass Bund und Länder jetzt das Strafgesetzbuch erweitern und damit die schwarzen Schafe in der Gesundheitsbranche haftbar machen wollen. Ein gutes Gegengift.

Übrigens: Die Gelegenheit wäre passend, über all die anderen Fehlanreize zu debattieren, die das Gesundheitssystem ganz legal bietet: über Boni für Chefärzte, die dafür entlohnt werden, dass sie möglichst oft operieren; über die „individuellen Gesundheitsleistungen“, die den Arzt allzu oft zum Verkäufer werden lassen; und wenn man schon dabei ist: über die Zwei-Klassen-Gesellschaft der privat und der gesetzlich Versicherten.