Ein Ausgang wie befürchtet

Die zynischste Reality-Show seit Jahren in Amerika ist vorbei. Das „Vor-Urteil“ der Geschworenen im Fall Michael Brown ist ausgegangen wie befürchtet. Der weiße Polizist, der den18-jährigen, unbewaffneten Schwarzen tötete, ist von gerichtsfester Schuld freigesprochen – ohne ordentlichen Prozess.

Man muss kein Afro-Amerikaner sein, um das als Beleg dafür zu sehen, was das Land innerlich zerreißt. struktureller Rassismus.

Kein Missverständnis: Der Polizist mag am 9. August aus Notwehr geschossen haben. Das festzustellen, hätte aber in einem offenen Gerichtsverfahren geschehen müssen. Stattdessen kam es zu Rechtsfindung in einem hermetisch von der Öffentlichkeit abgeriegelten Raum.

Der Freispruch steht für ein krankes System, das Schwarze diskriminiert. Sie werden – nicht nur in Ferguson – überproportional oft von der Polizei wegen Nichtigkeiten schikaniert und ins Gefängnis gesteckt. Dass so Misstrauen gegenüber dem Staat wachsen muss, liegt auf der Hand.

Was man Amerika jetzt wünscht, ist Innehalten und Besinnung. Sonst ist es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Michael Brown stirbt. Doch die Krawalle, die wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung über Ferguson kamen, liegen wie ein Fels auf dem Weg der Annäherung. Die Gräben zwischen Schwarzen und Weißen sind seit gestern noch tiefer geworden.