Ein Abgrund namens Lolita - Luhukay legt den Finger in die Wunde

Was wir bereits wissen
Hertha BSC wird von einer angeblichen Sex-Affäre erschüttert, von der kaum einer weiß, wie groß sie wirklich ist. Trainer Jos Luhukay legt den Finger in viele gesellschaftliche Wunden. Ein Kommentar.

Berlin.. Natürlich ist es die fantasielose Variante, wenn eine Berliner Boulevard-Zeitung „Lolita-Affäre“ schreibt. Das ist bequem, weil jeder weiß, was gemeint ist. Das ist griffig, deshalb bleibt es ja hängen, auch wenn sich heraus stellen sollte, dass es sich bei den angeblichen Sex-Kontakten dreier Hertha-Spieler mit einer 16-Jährigen um Halb- oder Unwahrheiten gehandelt hat.

Aber so funktioniert ein Teil unserer Gesellschaft. Herthas Trainer Jos Luhukay hat dazu bemerkenswerte Sätze gefunden: „Ich finde es schlimm - aus menschlicher Sicht und als Vater von zwei Kindern - was in den letzten Tagen passiert ist. Es wird in der Medienlandschaft und in unserer Gesellschaft nicht mehr mit Normen und Werten gehandelt.“

Fußball-Bundesliga Damit hat Luhukay viele Abgründe dieses Falls ausgelotet: den Überfluss, in dem junge Profis leben, denen mehr zufliegt, als einige von ihnen verkraften können. Den Preis, den sie umgekehrt für dieses Leben zu zahlen haben. Die geringer werdende Bereitschaft, aus Rücksicht gegenüber anderen auf den eigenen Vorteil zu verzichten. Die Fürsorge, die Vorbereitung aufs Leben, die Eltern ihren Kindern mitgeben – oder eben nicht. Schließlich: die Menschen hinter den Medien, die ihre Rolle ungerührt zu Ende spielen.

Wie tröstlich, wenn dann ein Trainer kommt, der uns, bei aller Liebe zum Fußball, mehr zu sagen hat.