Drachme statt Drama

Die Griechen haben ihre Chance gehabt und zu wenig genutzt. Die Verlängerung der EU-Hilfe ist eine Atempause. In vier Monaten haben sie das gleiche Problem.

Griechenland hat jahrelang über seine Verhältnisse gelebt. Ob die linke Regierung mit der Konsolidierung ernst macht? Sie würde alles verraten, wofür sie steht. Aber wenn sie die Auflagen missacht, sollte man im Juli kein weiteres Paket schnüren. So viel Inkonsequenz wäre für die Haushaltsdisziplin in anderen Staaten, in Portugal, in Spanien, in Italien, verheerend – und auch unfair gegenüber den osteuropäischen EU-Staaten, die zum Teil größere Opfer als die Griechen leisten müssen.

Europa war bisher mit Hunderten Milliarden Euro solidarisch. Irgendwann muss man sich ehrlich machen und im Zweifel die Griechen Pleite gehen lassen. Heißt: Austritt aus dem Euroraum, Schuldenschnitt, Drachme statt Drama. Es wäre ein Neuanfang. Teuer wird es so oder so. Oder glaubt jemand ernsthaft daran, dass die Griechen jemals ihre Schulden zurückzahlen werden?

Reden wir über „Grexit“, für die Bürger war der Ausstieg immer eine Option. Aber es muss ein geordneter Austritt sein: in enger Abstimmung mit den EU-Partnern. Das ist die Führungsaufgabe von Kanzlerin Angela Merkel. In der Griechenland-Krise ist sie glücklos. Ihre Politik der kleinen Schritte ist gescheitert. Wann gesteht sich die Union das ein?