Die Wut in der virtuellen Welt

Die einen drohen Politikern mit dem Galgen oder dem Volksgericht, andere geifern über Flüchtlinge, bezeichnen sie als Schmarotzer oder Viehzeug. Das Netz ist voll von solchem Hass und von Vernichtungsfantasien, und jetzt, wo so viele Menschen vor Krieg und Not und Elend in das vermeintlich sichere Deutschland fliehen, tobt der Mob in der virtuellen Welt besonders wüst.

Nun könnte man sagen: Das sind eben die ekligen Dinge, die an manchem Stammtisch geblökt werden, wenn das eine oder andere Bier geflossen ist; die hässliche Fratze der Menschenverachtung ist einfach im Internet länger und öffentlicher sichtbar. Und es ist ja richtig: Die Hetze in den sozialen Netzwerken ist kein Spiegelbild gesellschaftlicher Zustände, sondern nur ein Zerrbild. Dennoch wäre es ein Fehler, ihre Wirkmacht zu unterschätzen und achselzuckend abzutun.

Radikale jeder Couleur haben nicht von ungefähr schon lange den virtuellen Raum als Rekrutierungsfeld identifiziert. Dort bestärken sich Wahn und Wut wechselseitig, schaukeln sich hoch. Vom Wort zur Tat in der realen Welt ist es manchmal nur ein kleiner Schritt, wie der massenhafte Auszug junger Menschen aus Deutschland in den Dschihad gezeigt hat.

Was im Bereich des islamistischen Extremismus so lange Zeit sträflich vernachlässigt wurde, darf sich jetzt nicht im fremdenfeindlichen Milieu wiederholen. Facebook, Twitter und Co. müssen entschiedener gegen Hetze und Menschenverachtung vorgehen. Auch in der virtuellen Welt muss gelten: wehret den Anfängen.