Die Wahrheit über die eigenen Gesetze des DFB-Pokals

Opfer der Pokal-Gesetze? Hannovers Spieler schleichen nach dem Aus in Aalen wie begossene Pudel vom Platz.
Opfer der Pokal-Gesetze? Hannovers Spieler schleichen nach dem Aus in Aalen wie begossene Pudel vom Platz.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Der Satz steht wie in Stein gemeißelt und belegt einen Spitzenplatz in der Fußball-Floskel-Hitliste: "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze." Das Dumme ist nur: Er stimmt nicht. Der Fußball ist so populär, weil er eben keine Gesetze hat, nach denen er funktioniert, meint Reinhard Schüssler.

„Der Ball ist rund“, „Von Spiel zu Spiel denken“, „Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift“: Die Fußball-Sprache kennt viele platte Sprüche. Einen Spitzenplatz in der Floskel-Hitliste verdient auch: „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.“

Nur: Welche Gesetze das sein sollen, hat noch niemand verraten. Ja, nicht einmal Gesetzmäßigkeiten sind beim Pokal-Wettbewerb zu finden. Mal sind schon im Viertelfinale die Top-Klubs unter sich, mal kämpfen sich drittklassige Mannschaften bis ins Finale vor. Favoritensiegen stehen mal mehr, mal weniger Favoritenstürze gegenüber. Der vermeintliche Trend von heute ist im folgenden Jahr gewöhnlich schon wieder Geschichte.

Wer die ominösen Pokal-Gesetze erlassen hat, ist nicht bekannt. Davon auszugehen ist jedoch, dass es jemand war, der sich die unfassbare Pokal-Pleite seines Klubs einfach nicht erklären konnte und nach einer ebenso einfachen wie unschlagbaren Ausrede suchte. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Pokal-Gesetze machen weitere Begründungen überflüssig

Nach jeder Niederlage im Liga-Alltag wird akribische Ursachenforschung betrieben, jedes scheinbar noch so unwichtige Detail herangezogen. Fliegt aber Hannover 96 – drei Tage nach dem schwer erklärbaren 1:0-Sieg in Dortmund – beim Zweitliga-Vorletzten Aalen aus dem Pokal, ist die Sache glasklar: Schuld sind die angeblichen Pokal-Gesetze. Was für die Verlierer den unschätzbaren Vorteil hat, dass sie weitere Begründungen überflüssig machen.

DFB-Pokal Dem legendären Bundestrainer Sepp Herberger, Urvater des geflügelten Fußball-Wortes, wird zugeschrieben, dass er vor über 60 Jahren auf die Frage, warum so viele Menschen zum Fußballspiel ins Stadion gehen, geantwortet hat: „Weil niemand weiß, wie es ausgeht.“

Anders ausgedrückt: Der Fußball ist so populär, weil er eben keine Gesetze hat, nach denen er funktioniert – nicht einmal Pokal-Gesetze.