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US-Haushaltsstreit

Die USA leben über ihre Verhältnisse

28.12.2012 | 17:50 Uhr
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Notfinanzierung. Zahlungsunfähigkeit. Staatsbankrott. Die Stichworte, die zum Jahresausklang aus Amerika nach Europa herüberschwappen, machen unfroh. Die Supermacht USA steht wenige Wochen nach den Wahlen, die ein glasklares Ergebnis pro Obama brachten, erneut im Niemandsland der politischen Handlungsunfähigkeit. Was Demokraten und Republikaner gemeinsam seit Wochen aufführen ist ein starkes Stück Realitäts- und Arbeitsverweigerung, das in  Berlin, Paris, London oder Madrid nachträgliches Kopfschütteln über die selbstgerechte Attitüde auslösen wird, mit der US-Spitzenpolitiker wie der scheidende Finanzminister Timothy Geithner noch vor kurzem der Euro-Schulden-Krise begegnet sind.

Wenn sich Demokraten und Republikaner nicht doch noch kurzfristig verständigen, treten am Neujahrstag automatische Budgetkürzungen und Steuererhöhungen in Kraft, die Millionen Familien das Leben erschweren und die Wirtschaft abzuwürgen drohen. All das ist seit 18 (!) Monaten bekannt. Hat Amerika den Auto-Piloten eingeschaltet, der das Land vor die Wand fährt?

Klar ist, dass Obama wie auch die moderaten Kräfte bei den Republikanern gehofft hatten, dass die Wahl vom 6. November eine reinigende Wirkung bei jenen Radikalinskis zeitigen wird, für die „Kompromiss“ das Unwort des Jahrzehnts ist. Irrtum. Die Tea-Party lebt. Eine kleine Minderheit von intellektuell überschaubar aufgestellten Abgeordneten kann es sich ungestraft leisten, zum Frommen der reinen Lehre nicht nur die Bürger in Geiselhaft zu nehmen. Sondern im schlimmsten Fall die ganze Weltwirtschaft.

Wenn sich der Pulverdampf der Pokerpartie gelegt hat, wird die Ernüchterung groß sein. Denn die Ursachen allen Übels bleiben unangetastet. Amerika lebt über seine Verhältnisse. Es konsumiert obszön zu viel. Und produziert zu wenig. Amerikas Rolle in der Welt beruhte immer auf seinem Reichtum sowie seinem diplomatischen und militärischen Gewicht. Das Unvermögen, diesen Reichtum klug zu verwalten und die Schulden mit Augenmaß in den Griff zu kriegen, schädigt den Ruf der Supermacht im globalen Maßstab nachhaltig.

Dirk Hautkapp

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30.12.2012
13:20
Die USA leben über ihre Verhältnisse
von Musashi | #6

Seit 1913 hat der US Dollar knapp 96% seines ursprünglichen Wertes verloren und übrigens, Herr Hautkapp, die USA leben bereits ganz ungeniert seit 1944 (Bretton Woods) und seit 1973 völlig hemmungslos über ihre eigenen Verhältnisse. Kriege und die Finanzierung eines so gewaltigen Wasserkopfes kosten eben! Aber keine Sorge, die FED lässt ja schön fleißig die "Druckerpressen" laufen. Ich würde auch nicht zu sehr mit dem Finger über den Atlantik zeigen. In der EUDSSR läuft es doch nicht anders!!! Wenn es demnächst anfängt zu stürmen, wird man alles bisher gekannte (1923 in DE, 1929 weltweit) als laues Lüftchen bezeichnen können! Insofern, "guten Rutsch" und bleiben sie gesund;-);-);-)!!!

30.12.2012
11:43
Die USA leben über ihre Verhältnisse
von kadiya26 | #5

Was die Vereinigten Staaten so treiben, macht mich schon seit langem sprachlos. Wenn man dort meint, sich gegenseitig mit wachsender Begeisterung über den Haufen schießen zu müssen, kann ich noch sagen: Es ist ihr Land, sollen sie doch machen.
Wenn sie aufgrund mangelnden Horizonts nun aber wieder mal die Weltwirtschaft bedrohen, kann ich aus meiner machtlosen Position nur noch Verachtung empfinden.

30.12.2012
00:42
Die USA leben über ihre Verhältnisse
von Schlaubaer | #4

Ach neeh - das wundert mich jetzt aber! Wer hätte das denn gedacht? 1929 war es "nur" die Börse - 2013 ist es der Staat, der einen Finanzcrash auslöst. Das - ganz - dicke Ende kommt schon noch - keine Bange!

29.12.2012
17:02
Die USA leben über ihre Verhältnisse
von cui.bono | #3

Die ultimative Allzweckwaffe der WAZ. Leider aber auch irgendwie ahnungslos was wirtschaftliche Zusammenhänge angeht.

28.12.2012
19:34
Tea-Party
von RANRW | #2

Wenn ich Herrn Hautkapps sozialromantische Träume lese, bin ich nur froh, dass die Tea-Party lebt.

28.12.2012
18:50
Guten Morgen,
von bearny67 | #1

auch schon gemerkt?

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