Die Tragödie im Mittelmeer

Was wir bereits wissen
Das Flüchtlingsdrama ist auch ein politisches Drama. Warum schauen alle nur zu?

Mehrere Politiker meldeten sich gestern mit gleichlautenden Vokabeln zu Wort: Dass in den vergangenen Tagen mehr als 1000 Afrikaner im Mittelmeer ertranken, sei „eine Schande für Europa“. Das stimmt ja. Aber warum ändert sich nichts? Werden Politiker nicht dafür gewählt, dass sie handeln, wenn das Nicht-Handeln zum Tod so vieler Menschen führt?

Das Klagen über die Skrupellosigkeit der Schleuser ändert nichts. Schon immer sind Menschen vor dem Hunger geflüchtet. Millionen Afrikanern gilt Europa als das gelobte Land. Wen wundert’s, angesichts der Kluft von Überfluss und bitterer Armut. Übers Internet verbreiten sich die Bilder von Hündchen, denen bei uns Gourmet-Speisen auf silbernen Tellern serviert werden. Wie wirkt das auf Familien, die nicht wissen, wie sie morgen ihre Kinder satt bekommen sollen?

Die Menschen brauchen Perspektiven dort, wo sie jetzt sind. Und sie brauchen verbesserte Chancen zur legalen Einwanderung nach Europa. Dafür müssen Politiker sorgen – auch die in Afrika. Das muss schnell geschehen. Und bis es soweit ist, müssen wir die armen Seelen aus der Seenot retten. Alles andere ist unmenschlich. Und eine Schande für Europa.