Ungleichheit bei den Löhnen

Die Schere darf nicht noch weiter auseinandergehen

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Auf den ersten Blick ist es eine gute Nachricht, die die Bertelsmann-Stiftung gestern verbreitet hat: Bis zum Jahr 2020 steigen die Gehälter deutlich an. Und niemand kann ernsthaft ein Haar in der Suppe finden, wenn Wachstumsgewinne der Unternehmen wieder stärker an die Beschäftigten weitergegeben werden. Doch wie immer steckt der Teufel im Detail: Nicht alle Lohngruppen in Deutschland profitieren von dem vermeintlichen Geldregen. Für eine Gesellschaft, die auf Solidarität baut, ist eine solche soziale Ungleichheit eine unheilvolle Entwicklung.


Die Schere wird noch weiter auseinandergehen von den Spitzenverdienern und Kinderlosen auf der Gewinnerseite sowie den Angestellten in Dienst­leistungsbranchen, Familien mit Kindern und Alleinerziehenden auf der Verliererseite. In der Lohntüte ­werden diejenigen benachteiligt, die einen großen ­Beitrag für das Gemeinwohl leisten - Angestellte in ­Gesundheits- und Sozialberufen beispielsweise. Mit Blick auf die alternde Gesellschaft sind das alles andere als rosige Aussichten. Zumal die Studie der Bertelsmann-Stiftung auch zu dem Ergebnis kommt, dass Teilzeitbeschäftigte in Zukunft noch stärker abgehängt werden - gerade in der Gesundheits- und Sozialbranche sind Arbeitsverträge zur Teilzeitbeschäftigung weit verbreitet.


Die Ungleichheit verschärft sich noch. Wer argumentiert, dass das für eine Volkswirtschaft nicht nachteilig sein muss - weil der Einzelne angetrieben wird, noch engagierter und produktiver zu arbeiten, um höher zu kommen -, sieht die Sache zu einseitig. Frustrierte Arbeitnehmer, die sich unterbezahlt fühlen, helfen der Wirtschaft nicht.

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