Die Quote muss kommen

Flüchtlinge vor der Insel Lampedusa: Mit einem Quotensystem dürfte sich die europäische Abschottungspolitik ändern.
Flüchtlinge vor der Insel Lampedusa: Mit einem Quotensystem dürfte sich die europäische Abschottungspolitik ändern.
Foto: Darrin Zammit Lupi/Archiv

Auf ihrer Flucht nach Europa starben in diesem Jahr so viele Flüchtlinge wie nie zuvor. Zugleich steigt die Zahl der Asylbewerber weiter. Europa hat viel zu lange damit gewartet, sich ernsthaft um die Flüchtlingsproblematik zu kümmern. Tausende Menschen mussten sterben, während die Politik diskutierte. Zwei Probleme müssen nun schnell gelöst werden. Erstens: Für Schutzsuchende gibt es keine legalen, sicheren Wege nach Europa. Sie sind gezwungen, riskante Routen zu wählen – etwa über das Mittelmeer. Der neue Vorschlag von Migrationsforschern könnte eine Lösung aufzeigen: Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien, Eritrea und Somalia, die im Asylverfahren ohnehin mehrheitlich anerkannt werden, sollte die EU aufnehmen. Dies würde ihnen die lebensgefährlichen Fluchtwege ersparen.

Damit einher geht – zweitens – eine solidarische Verteilung der Menschen auf alle Staaten der EU. Bisher nehmen fünf von 28 EU-Ländern mehr als zwei Drittel der Asylbewerber auf. Ein faires Quotensystem nach einem Schlüssel, der Wirtschaftskraft, Einwohnerzahl und Arbeitslosigkeit berücksichtigt, würde die Verantwortung gerechter verteilen. Es kann nicht sein, dass einige wenige Staaten die Hauptlast tragen, während sich andere aus der Verantwortung stehlen – wie etwa Großbritannien. Mit dem Quotensystem würde sich Europa von der bisherigen Abschottungspolitik ein Stück weit verabschieden – es wird höchste Zeit dafür.