Das aktuelle Wetter NRW 13°C
AKW-Report

Die Mängel waren bekannt

01.10.2012 | 18:08 Uhr
Die Mängel waren bekannt
Die nackten Zahlen belegen: Von einer Renaissance der Atomkraft kann keine Rede sein.
Empfehlen
Kommentare
Themenseiten

Die Sicherheitslücken in den europäischen Atommeilern waren kein Geheimnis, die Internationale Atomenergiebehörde kennt die Fakten zu jedem einzelnen Kraftwerk. Der Mängel-Bericht der EU zeigt aber: Die Europäische Union verfügt über keine Instrumente, die Beseitigung der Mängel durchzusetzen.

Auf Anfrage erhält man vom Geoforschungszentrum Potsdam eine Karte von Deutschland. Sie zeigt in verschiedenen Farben die gefährlichen Erdbebenzonen an. Vor allem im Südwesten zeigt die Karte gelbe, orange, ja sogar rote Bereiche. Und dort liegen die Atomkraftwerke Gundremmingen, Neckarwestheim, Philippsburg und Biblis. Es war alles bekannt.

Der Bericht der EU bietet in diesem Punkt also wenig Neuigkeiten. Auch die bestehenden Sicherheitslücken in den europäischen Atommeilern waren kein Geheimnis, die Internationale Atomenergiebehörde kennt die Fakten zu jedem einzelnen Kraftwerk. Gleichwohl sehen diese Mängel vor dem Hintergrund der Fukushima-Katastrophe neu und alarmierend aus. Zehn bis 25 Milliarden Euro seien nötig, um die Kraftwerke auf den neuesten Stand zu bringen. Wer will das investieren?

Weltweit sinkt der Anteil des durch Kernspaltung produzierten Stroms. 2011 wurden 19 Anlagen endgültig abgeschaltet, nur sieben neue Reaktoren gingen in Betrieb, listet der neue Welt-Status-Report für die Nuklear-Industrie auf. Selbst China, das Land mit den ehrgeizigsten Ausbauplänen, hat nach Fuku­shima viele neue Projekte eingefroren. Die nackten Zahlen belegen: Von einer Renaissance der Atomkraft kann keine Rede sein.

Der Mängel-Bericht der EU lässt sich als Sammlung von Argumenten lesen, die Energiewende weiter zu beschleunigen. Der entscheidende Punkt aber ist: Die Europäische Union verfügt über keine Instrumente, die Beseitigung der Mängel auch durchzusetzen. Während ein Atomunfall in Europa keine nationale Angelegenheit bleiben würde, liegt die Atomaufsicht weiterhin in den Händen der Nationalstaaten. Einige Staaten – Deutschland, Österreich, Schweiz – verzichten auf Kernenergie, die meisten anderen Länder aber planen, ihre Kraftwerke so lange wie möglich laufen zu lassen. Der Mängel-Bericht hat daher mehr eine Appell- und Warnfunktion. Doch auch das kann Wirkung entfalten, denn die Öffentlichkeit reagiert bei diesem Thema sehr sensibel.

Christopher Onkelbach

Facebook
Kommentare
Fotos und Videos
Gladbach verliert 2:4 in Freiburg
Bildgalerie
Gladbach
Passionsspiel in Essen
Bildgalerie
Karfreitag
Aus dem Ressort
Die gefühlte Unsicherheit
Rettungswesen
Die Unbilden unseres Gesundheitswesens sind im Rettungswagen angekommen. Es ist in mehrfacher Hinsicht bedenklich, wenn ein Patient ohne akute Not den Rettungsdienst ruft – um so schneller in die Obhut eines Arztes zu gelangen. Es ist zu einfach, dieses Vorgehen ausschließlich deshalb anzuprangern,...
Mit gesunder Zuversicht in eine erfolgreiche Zukunft
Kommentar
Eine wirklich wohltuende Haltung, die sich da beim Südwestfalen-Symposium an der Siegener Universität präsentierte: Kein Jammern und Verzagen, Stattdessen Aufbruchstimmung, Verantwortungsbereitschaft und allenthalben eine spürbare Zukunftszuversicht.
Grüne bitten ihre Wähler zur Kasse
Parteitag
Einer der erfolgreichsten Grünen aller Zeiten, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, grätscht mit massiver Kritik an den Steuerplänen in den Parteitag.
Dem enttarnten Moralprediger Hoeneß bleibt nur der Rücktritt
Kommentar
Die Fallhöhe ist enorm: Der Doppelmoral überführt, steht Uli Hoeneß steht vor den Trümmern seiner Reputation. Von den Bayern-Fans als Seele des Klubs verehrt, kann er seinem Verein nur noch einen letzten Dienst erweisen: indem er zurücktritt. Ein Kommentar
Sekt oder Selters - die neue Maxime beim VfL Bochum
Kommentar
Wir müssen an dieser Stelle nicht die Frage diskutieren, ob Peter Neururer der richtige Mann am richtigen Fleck zum richtigen Zeitpunkt ist. Die Führung des VfL Bochum sah nach den jüngsten Niederlagen Handlungsbedarf und wollte nicht warten, bis der Zug ganz abgefahren ist. Ein Kommentar.