Die Krise des Abendlandes

Was wir bereits wissen
Das absehbare Ende des Werler Klosterlebens ist nicht nur eine traurig-lokale Nachricht, sondern wirft auch grundsätzlich und beispielhaft ein Licht auf die religiöse Entwicklung in weit größerem Maßstab.

Das absehbare Ende des Werler Klosterlebens ist nicht nur eine traurig-lokale Nachricht, sondern wirft auch grundsätzlich und beispielhaft ein Licht auf die religiöse Entwicklung in weit größerem Maßstab. Die in diesen Tagen immer wieder beschworene „Rettung des Abendlandes“ vor einer vermeintlichen Flut muslimischer Einwanderer verläuft eben auch parallel zu einer durchaus dramatischen Abkehr christlicher Überzeugungen und Lebensinhalte in unserem Land.

Man kann es auch anders formulieren: Weil die eigenen christlichen Wurzeln als Lebensfundament nicht mehr halten, wird die Angst vor dem Anderen, dem Fremden als umso bedrohlicher empfunden. „Ein feste Burg ist unser Gott“, lautet eines der bekanntesten Lieder in der evangelischen Kirche. Doch wer empfindet das überhaupt noch so?

Zwar verzeichnen die Wallfahrtsorte - übrigens auch Werl - durchaus recht gute Pilgerzahlen; von einer bürgerlichen Massenbewegung kann allerdings nicht gerade die Rede sein. Würde es hierzulande tatsächlich ein überwältigend breites Bekenntnis zum Christentum geben, dann hätte auch die dumpfe Sorge vor einer unheilvollen Überfremdung keine elementare Grundlage mehr. Sie würde sich vielmehr in unmittelbar gelebter Nächstenliebe auflösen.