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Die Inklusion braucht noch Zeit

20.12.2012 | 19:36 Uhr
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Die Inklusion braucht noch Zeit
Johannes (l) und der am Down-Syndrom erkrankte Felix (r) sitzen in Konstanz in der Gemeinschaftsschule Gebhardschule an einem Klassentisch beim Malen.Foto: dpa

Das Ziel ist richtig: Wenn immer das möglich ist, sollten Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam unterrichtet werden. Das nennt man „Inklusion“ – und das ist ein kaltes Technokratenwort für eine Idee, die unser Leben wärmer machen kann.

Wer im Sommer den „Tag der Begegnung“ feiert, der merkt, wie viel Kraft aus dem gemeinsamen Handeln erwächst. Wer bei den Paralympics die Medaillen bejubelt, der sieht, zu welchen Höchstleistungen die Athleten fähig sind – trotz ihrer Einschränkungen. Doch die Menschlichkeit einer Gesellschaft lässt sich nicht an solchen Feiertagen ablesen. Sie muss sich im Alltag beweisen. Und dazu gehört auch Schule.

In den Förderschulen in NRW arbeiten Lehrerinnen und Lehrer mit großem Einsatz. Das ist oft eine schwere Aufgabe, die mit vielen kleinen mühsamen Schritten zum Erfolg führt. Bevor die Landesregierung darangeht, diese Schulen zu schwächen, müssen die neuen Klassen gut vorbereitet und aufnahmebereit sein.

Das sind sie noch nicht. Deshalb tut die Ministerin gut daran, das Tempo aus dem Verfahren zu nehmen. Schüler ohne Handicap erlernen im Unterricht mit gehandicapten Schülern viel an sozialer Kompetenz. Aber Unterrichtstempo und Lerninhalte dürfen dabei nicht auf der Strecke bleiben. Das heißt: Es müssen deutlich mehr Lehrer her. Wenn die Klassen klein sind, wird auch die Skepsis vieler Eltern weichen. Denn das Ziel ist gut.

Aber Politiker werden an Taten gemessen. Und deshalb muss die Schulministerin noch Hausaufgaben erledigen. Spätestens nach den Weihnachtsferien.

Peter Toussaint

Kommentare
22.12.2012
20:19
Die Inklusion braucht noch Zeit......blablablabla, wie immer!
von creck | #4

Vorab - Das Recht auf Inklusion ist nicht verhandelbar.
Es ist ein Menschenrecht, das jeder Behinderte auch in Deutschland vor einem ordentlichen Gericht einklagen kann.

Die UN-Resolution zur Inklusion wurde bereits 2006 verabschiedet (übrigens auch mit der Stimme der Bundesrepublik).

Seither ist außer den ständigen Absichtsäußerungen der geforderten Politiker nicht viel geschehen, um die "normalen" Schulen auf diese Aufgabe vorzubereiten.
Und jetzt soll die Ministerin auch noch "auf die Bremse treten". - Gehts noch?

Es ist wie beim Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz: ohne festen Termin, um Politikergehirne zu motivieren, funktioniert in unserem Besitzstandsstaat NICHTS.

Dass sich jetzt die Journalisten einreihen in die Phalanx der Entschleuniger ist eine neue Entwicklung. - Schade drum!

21.12.2012
21:48
Die Inklusion braucht noch Zeit
von Suedwestfale | #3

Vielen Dank für diesen Kommentar, Herr Toussaint! Er spricht mir aus der Seele und hebt sich wohltuend von vielen Artikeln und Kommentaren, die in letzter Zeit häufig recht einseitig gegen die Förderschulen wettern, ab.
Die Demontage der über Jahrzehnte gewachsenen Förderschullandschaft ist ja bereits im vollen Gange. Eltern haben gar kein wirkliches Wahlrecht nicht. Aber nicht, wie oft behauptet wird, weil ihre Kinder mit speziellem Förderbedarf "zwangseingewiesen" werden in die bösen Förderschulen, wo Behinderte ja angeblich nichts lernen, sondern im Gegenteil, weil inzwischen einseitig "pro GU" beraten wird. Das ist von der Politik so vorgegeben! Ob es im Einzelfall Sinn macht oder nicht, die Zahlen müssen stimmen. Das Ziel ist klar: Weniger Schüler an den Förderschulen führen zu deren Abbau. Soll ja auch so sein, denn angeblich lassen sich ja 85% ALLER Schüler mit Förderbedarf inkludieren, also auch Geistigbehinderte, Anfallskranke, Blinde, Taube ...
Und wehe, man denkt anders.

21.12.2012
17:25
Die Inklusion braucht noch Zeit
von achsoo | #2

Haben wir denn in NRW und insbesondere unsere Schulen wirklich keine anderen Sorgen?!!

21.12.2012
09:46
Die Inklusion braucht noch Zeit
von Syndikus | #1

Wenn Inklusion so verstanden und umgesetzt würde, wie Sie es hier darstellen, dann wären sicherlich weite Teile der Bevölkerung schnell dafür zu gewinnen - mich eingeschlossen. Leider wird Inklusion aber derzeit politisch instrumentalisiert, um gewachsene Schulformen zu schleifen und auch um Kosten zu sparen (wie etwa in Hamburg, wo extra für Sehbehinderte eingerichtete - und teure - Sonderschulen geschlossen werden). Und am Phoenix Gymnasium Dortmund will man bspw. geistig behinderte Kinder mit Hauptschulempfehlung in eine Gymnasialklasse "inkludieren". Ich bin kein Pädagoge, aber mir kommen da doch erhebliche Zweifel, ob und wie das funktionieren soll. Entweder das Ganze bleibt eine Shownummer (weil der Unterricht letztlich doch getrennt durchgeführt wird) oder (i) das Lernniveau muss erheblich gesenkt werden oder aber (ii) die inkludierten behinderten bleiben für den Rest ihrer Schullaufbahn die "armen Dummen", die im Unterricht nicht mithalten können. Macht das wirklich Sinn?

1 Antwort
Die Inklusion braucht noch Zeit
von Dinky | #1-1

ich denke Syndikus trifft den Kern der Sache!!!
Und nach fast einem halben Jahr Erfahrung mit dieser Situation kann ich nur sagen, in der momentanen Schulsituation hat keine Seite etwas davon, weder die Behinderten noch die Nichtbehinderten (die Behinderte kann durch ihre Individualbetreuung keinen Kontakt zu ihren Mitschülern finden, ihre Mitschüler haben das Gefühl, dass diese Schülerin bevorzugt wird), nur der Klassenlehrer hat viel Mehrarbeit, da alle Eltern mit der Situation nicht zufrieden sind!!
Ich will das Recht der Inklusion nicht beschränken, aber bevor es umgesetzt wird, sollte die Situation in den Schulen der neuen Aufgabe angepasst werden

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