Sandwich-Frauen

Die gehetzte Generation

Kinder, Job und noch die Plege der Eltern - für viele Frauen ist das zuviel.
Kinder, Job und noch die Plege der Eltern - für viele Frauen ist das zuviel.
Foto: getty

Die meisten Frauen in der Lebensmitte kümmern sich von morgens bis abends: Um die Kinder, auch wenn sie schon älter sind. Um ihren Job, auch wenn sie eigentlich eine Teilzeitstelle haben. Um den Haushalt, auch wenn sie sich das Kochen, Putzen,

Waschen eigentlich mit ihrem Mann teilen wollten. Und oft auch noch um die Eltern oder die Schwiegereltern. Aus Pflichtgefühl, aus Dankbarkeit – oder weil es sich einfach richtig anfühlt und gut tut.

Alles in allem ist das ein strammes Programm. Besonders dann, wenn aus anfänglichem Kümmern um die Eltern echter Pflegedienst wird. Doch zum Jammern haben die meisten keine Zeit. Und viele auf den ersten Blick auch keinen Grund: Haben Sie sich nicht selbst für dieses Lebensmodell entschieden? Und ziehen sie nicht auch viel Kraft und Lebensfreude daraus?

Die „gehetzte Generation“

Es ist deshalb gut, wenn andere das Jammern übernehmen. Oder besser: Wenn andere über Zumutungen und Überforderungen sprechen, die aus diesem Programm erwachsen können. Es ist gut, wenn über die Vielfachbelastungen der Sandwich-Generation gesprochen wird. Oder wenn berufstätige Mütter Bücher über die „Vereinbarkeitslüge“ schreiben.

Die „gehetzte Generation“, die die SPD als Zielgruppe entdeckt hat, gibt es wirklich.

Sicher, es gibt auch Frauen, denen macht die Vielfachbelastung nichts aus. Und es gibt nach wie vor viele Familien, in denen die Rechnung aufgeht: Der eine verdient das Geld, die andere kümmert sich um die Kinder, den Haushalt und die alte Schwiegermutter.

Zerreißprobe in der Lebensmitte

Doch seit in Deutschland auch für verheiratete Frauen gilt, dass nur Erwerbstätigkeit auf Dauer für soziale Sicherheit sorgt, ist es riskant, in die traditionelle Fürsorge-Rolle zu schlüpfen. Das wissen die meisten. Sie arbeiten sich deswegen am täglichen Spagat ab und lernen mit dem schlechten Gewissen zu leben.

Weil immer einer zu kurz kommt: der Job, die Kinder, die alten Eltern. Oder auch die Frauen selbst. Es ist gut, dass das Land nicht mehr nur über die Probleme von jungen Eltern redet – sondern auch über die Zerreißprobe in der Lebensmitte.

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