Die Erwartungen waren zu hoch

Auf Streiks wollen die Erzieherinnen wohl vorerst verzichten - eine Lösung im Tarifstreit gibt es indes nicht.
Auf Streiks wollen die Erzieherinnen wohl vorerst verzichten - eine Lösung im Tarifstreit gibt es indes nicht.
Foto: dpa

Eigentlich stand schon ein Schlussstrich unter dem langen und zähen Kita-Tarifstreit. „Zum Greifen nahe“ schien ein Abschluss, der Schlichterspruch wurde – zunächst – auch von den Verhandlungsführern der Gewerkschaftern als akzeptabel eingeschätzt.

Aber sie haben nicht mit dem Zorn der Basis gerechnet. Das kann passieren, wenn zuvor extrem hohe Erwartungen geweckt werden. Zehn Prozent mehr Lohn war die Ansage. Und im Grunde soll es ja um viel mehr gehen: die „Aufwertung“ der Sozial- und Erzieherberufe.

Die Schlichter bieten vergleichsweise wenig an. Im Grunde ist es nur eine normale Lohnerhöhung. Erzieherinnen sollen im Schnitt 3,3 Prozent mehr bekommen. Kita-Leiterinnen und Berufserfahrene würden verhältnismäßig höhere Lohnzuwächse bekommen als Jüngere, Sozialarbeiter fühlen sich im Vergleich zu Erzieherinnen benachteiligt. So werden die hohen Erwartungen, die geweckt wurden, zum Fluch.

Realistisch betrachtet wird in diesem Streit kaum mehr „herauszuholen“ sein als es der Schlichterspruch hergibt. Die armen Städte – und von ihnen gibt es gerade im Ruhrgebiet viele – wehren sich erbittert gegen neue Lasten. Sie müssen sich gegebenenfalls noch höher verschulden, um die verbesserten Löhne zu bezahlen. Machen wir uns nichts vor: Dortmund, Essen oder Duisburg sind nicht in der Lage, den Erzieherinnen das zu geben, was sie verdienten. Ohne Hilfe von Bund und Ländern kann es gar keine „Aufwertung“ dieser Berufe geben.

„Das kann doch nicht wahr sein!“, werden jetzt Eltern von Kita-Kindern schimpfen. Sie und ihre Kleinen haben am meisten unter dem Arbeitskampf gelitten, mussten Oma, Opa, Freunde und Nachbarn in Betreuer verwandeln, Urlaub opfern oder den Nachwuchs gar mit ins Büro nehmen. Für diese Mütter und Väter wäre eine Fortsetzung des Streiks in einigen Wochen vollkommen unzumutbar. Sie haben die Zähne zusammengebissen, ihren Alltag neu organisiert und den Arbeitskampf ertragen, aber die Solidarität mit den Streikenden ist gewiss nicht grenzenlos. Möglich, dass die Erzieherinnen und Sozialarbeiter weiter kämpfen wollen. Aber es ist nicht mehr viel zu gewinnen.