Der WM-Sieg war eine Heldentat ohne Heldenposen

Was wir bereits wissen
Der Begriff „Helden“ wird im Sport inflationär gebraucht. Auf die deutschen Fußball-Weltmeister trifft er gerade deshalb zu, weil sie nach ihrem Erfolg in Rio ohne typische Heldenposen auskamen. Ein Kommentar

Kinder, was für Bilder! Millionen Deutsche konnten sich in der Nacht zum Montag, so sie nicht im Autokorso auf der Straße waren, kaum satt sehen an den Szenen, die sich nach dem Abpfiff des WM-Finales in Rio de Janeiro abspielten: Sympathische junge Fußballer, die nach dem wohl härtesten Kampf ihres Lebens mit ihren Kindern oder denen ihrer Teamkameraden auf dem Rasen spielten, als wären sie zum sonntäglichen Picknick am Baggersee verabredet.

Ob Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer oder Thomas Müller: Da gefiel sich keiner in billigen Heldenposen. Was auch im Ausland aufmerksam registriert worden sein dürfte. Denn das ist der vielleicht schönste Nebeneffekt der rauschhaften Fußball-Tage: Diese junge deutsche Truppe mag auf dem Spielfeld ihren Gegnern Angst einflößen, außerhalb des Platzes jedenfalls nicht. Kaum anzunehmen deshalb, dass irgendwo auf der Welt Befürchtungen keimen, im Land des Export- und Fußball-Weltmeisters könnte demnächst wieder die erste Strophe der Nationalhymne gesungen werden.

Komme niemand mehr mit dem platten Einwand, es gehe doch nur um Fußball, es gebe doch Wichtigeres im Leben. Wollen wir etwa über den Stellenwert der Gesundheit streiten? In einer Zeit, da unsere Gesellschaft immer weiter auseinanderzudriften droht und die direkte Kommunikation – trotz oder gerade wegen des technischen Fortschritts – immer spärlicher wird, ist die Wirkung des Volkssports Fußball als Kleister zwischen allen Schichten nicht hoch genug einzuschätzen.Das macht diesen WM-Sieg für Deutschland so bedeutsam.