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Der Traum vom Silicon Valley

05.03.2013 | 18:23 Uhr
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Der Traum vom Silicon Valley
Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete die Cebit am Montagabend in Hannover. Ab Dienstag ist die weltgrößte Computermesse fürs Publikum geöffnet.Foto: dpa

Gut gelaunt ist Angela Merkel über die weltgrößte Computermesse Cebit gelaufen. Die Kanzlerin will eine neue Kultur von Unternehmensgründern, ein deutsches Silicon Valley, gerne in Berlin. Daraus wird aber nichts, und das liegt nicht nur am Berliner Flughafen.

Gut gelaunt ist Angela Merkel über die weltgrößte Computermesse Cebit gelaufen. Die Geschäfte laufen ja auch gut, und 190 000 Menschen arbeiten schon in dieser Zukunftsbranche. Das Problem ist nur, die Kanzlerin will viel mehr: eine neue Kultur von Unternehmensgründern, ein deutsches Silicon Valley, gerne in Berlin. Daraus wird aber nichts, und das liegt nicht nur am Berliner Flughafen.

Das Silicon Valley, der gesamte Großraum San Francisco, das ist die Welthauptstadt des Internets. Wer die Zukunft für sich gewinnen will, muss hierhin kommen. Zum Beispiel Mercedes Benz. Dem konservativen Autobauer wird mit Blick auf die jungen Kunden ganz mulmig. Für die ist der Führerschein kein Statussymbol mehr, weil man sich Autos ja auch teilen kann oder eben anderswie reist, und viele finden, Autos sind zu teuer und überhaupt Zeitverschwendung.

Die Jungen, denen am wichtigsten soziale Netzwerke und ihre eigene Zukunft im Internet sind, die haben zu Mercedes gesagt: Ich werde doch nicht mein ganzes Leben ändern, nur um Auto zu fahren. Seitdem sitzen die schwäbischen Blechbieger auch in Palo Alto und entwickeln einen Facebook-Daimler.

Das Einmalige am Silicon Valley ist die Mischung von Mentalität, Geld und Sonnenschein. Keine der drei Eigenschaften findet man in Berlin. Es gibt zwei weltweit anerkannte Spitzenuniversitäten, Stanford und Berkeley. Hier stehen private Geldgeber Schlange, um die Technikabsolventen mit ihren Ideen für sich zu gewinnen. Die Studenten wiederum haben in der Regel keine Lust auf große Firmen, ihre verkrusteten Strukturen und die seltsamen Chefs in Nadelstreifen.

Die Hälfte des gesamten Venture Capitals der USA fließt ins Valley, das sind 25 Milliarden Dollar. Ganz Europa stellt für Firmengründungen ein Zwölftel dieser Summe zur Verfügung. Und schließlich noch die Mentalität im Valley: Hier arbeiten Menschen unterschiedlichster Hautfarbe und Religion zusammen am selben Traum – die Welt zu bewegen und vielleicht dabei reich zu werden.

Ein deutsches Silicon Valley bleibt also entweder ein uneingelöstes Politiker-Versprechen oder ein uneinlösbarer Traum. Auch wenn jetzt die Sonne mal wieder in Deutschland scheint.

Ulrich Reitz

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