Der todbringende Schwachsinn - von Ralf Birkhan

Der Pole Michal Hernik stirbt bei der Rallye Dakar.
Der Pole Michal Hernik stirbt bei der Rallye Dakar.
Foto:  Felipe Trueba

Es gibt in der Welt des Sports keine bessere Chance, mit dem Tod zu pokern, als sich in die Nähe der Rallye Dakar zu begeben. Der polnische Motorradfahrer, der gestern leblos neben der Strecke aufgefunden wurde, ist der 63. Tote in der Geschichte des Wettbewerbs. Diese Zahl wird noch dramatischer, wenn man weiß: Die erste Rallye Dakar gab es erst im Jahr 1978. Das bedeutet: 63 Tote in 37 Jahren.

Wer möchte, der kann sich auf die Position der Zyniker zuückziehen und sagen: selber schuld. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Allerdings stimmt dies nur bedingt. Unter den Toten befinden sich zum Beispiel auch zwei Fahrgäste eines Taxis, das gerammt wurde. Und es hat bereits zehn Kinder getroffen, die in Mali oder im Niger von Rallye-Autos überfahren wurden. Zudem gab es Hubschrauberabstürze und Morde.

Die Rallye führt nämlich nicht über eine geschlossene Rennstrecke, sondern durch die Wälder, die Wüsten und die Dörfer dieser Welt. Vornehm ausgedrückt ist es ein Anachronismus, mit Rennmaschinen durch Gegenden zu rasen, in denen Menschen oft schon froh über ein Fahrrad sind. Weniger vornehm gesagt: Die Rallye ist ein todbringender Schwachsin