Bahn

Der Tarifkonflikt ist so verfahren wie komplex

Der Tarifkonflikt bei der Bahn war mit seiner Teil-Einigung für das vergangene Jahr fast schon dem Vergessen anheimgefallen, und GDL-Chef Claus Weselsky war die Rolle als bestgehasster Mann des Landes eigentlich schon los; dafür boten sich wahlweise Wladimir Putin oder das Griechen-Duo Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis an (Terroristen nehmen wir hier mal aus). Das dürfte sich ändern, denn wie es aussieht, stehen wir in diesem so verfahrenen wie komplexen Konflikt wieder am Anfang, nur mit dem Unterschied, dass die GDL jederzeit losstreiken darf. Schließlich haben die Lokführer schon im Herbst für den Arbeitskampf votiert.

Es wäre der siebte Lokführer-Streik in dieser Tarifrunde, er dürfte erneut erhebliche Folgen für den Bahnverkehr haben, auch wenn der eine oder andere Zug am Ende doch fahren wird. Bahnfahrer und natürlich auch die Wirtschaft, die ihre Güter (noch) per Bahn transportieren lässt, sind die Leidtragenden in diesem endlosen Streitfall. Dabei sind beide doch nur unbeteiligte Dritte. Der Staatskonzern allerdings gibt sich – alles in allem – irritierend desinteressiert an der Not seiner Kunden.

Wer die erneute Eskalation verschuldet hat, ist nur mehr schwer zu überblicken. Der GDL-Vorwurf, die Bahn wolle den Konflikt verschleppen, solange, bis die Gesetzeslage eine andere ist, bis Spartengewerkschaften wie die GDL ihre Macht teilweise oder auch ganz verloren haben – dieser Vorwurf klingt zumindest plausibel. Zumal die Politik eindeutige Signale ausgesendet hat. Dennoch ist es dem Staatsunternehmen Bahn und der Politik bislang noch immer gelungen, der GDL und ihrem Vorsitzenden Weselsky den Schwarzen Peter zuzuschieben. Indes: Wirklich geholfen hat das der Bahn nicht. Und den Bahnfahrern schon gar nicht.

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