Höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch

Der billige Bissen bleibt im Halse stecken

Ein Kommentar von Nina Grunsky

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft, lautet ein alter, offenbar viel zu erfolgreicher Werbeslogan. Dabei ist längst klar, dass viel zu viel Fleisch dem Leben auch Kraft rauben kann. Denn die Deutschen essen deutlich mehr davon, als gut tut. 60 Kilogramm sind es pro Jahr der Statistik zufolge, pro Woche also mehr als ein Kilogramm. Höchstens 600 Gramm empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Ein Grund für den hohen Verbrauch: Fleisch ist auf den ersten Blick zu billig. Dass sie der hohe Konsum am Ende viel teurer kommt, dass sie bei den Gesundheitskosten draufzahlen und Umweltschäden durch die hohe Nitratbelastung auch ihr Portemonnaie belasten, machen sich viele Verbraucher nicht bewusst, sonst würde ihnen der billige Bissen wohl im Halse stecken bleiben. Insofern leuchtet ein, dass der niedrige Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für Fleischprodukte nicht mehr gerechtfertigt ist.

Ob sich mit einer Erhöhung dieses Satzes allein allerdings tatsächlich eine Verhaltensänderung herbeiführen lässt? Haben immer höhere Steuern auf Zigaretten wirklich dazu geführt, dass weniger geraucht wird? Und führt ein höherer Satz am Ende zu Verbesserungen in der Tierhaltung? Zu einem besseren Verbraucherschutz? Oder werden nicht eher mehr noch billiger produzierte Produkte aus dem Ausland eingeführt, vielleicht sogar wieder dem Betrug mit Pferde- und Gammelfleisch Vorschub geleistet?

Wer Verhalten ändern will, muss vor allem auf Aufklärung setzen, auf gelungene Informationskampagnen – statt auf einen staatlich vorgeschriebenen Veggie-Tag. Wie nachhaltig eine solche Arbeit wirken kann, beweist der alte Werbeslogan von der Lebenskraft, der noch immer nachhallt. Leider.

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